Fast jeder zweite Deutsche Lehrer ist älter als 50 Jahre. Viele lassen sich zudem früher pensionieren. Gerade im Osten gibt es bereits spürbare Lücken.

"Erfahrung", sagt Heinz-Peter Meidinger, "ist natürlich wichtig, man kann nicht sagen, der ältere Lehrer ist schlechter als der jüngere." Trotzdem sei die Altersstruktur der deutschen Lehrerschaft ein großes Problem, meint der Chef des Deutschen Philologenverbandes.

Beispielsweise in der Sekundarstufe II und im Gymnasium in den östlichen Bundesländern: Im Jahr 1996 gab es in diesen Schulen 6470 Lehrer unter 40 Jahren. 2010 waren es nur noch 3438. Mitte der Neunziger gab es 3932 Lehrer über 50 Jahre. Heute sind es über 8000, weiß das statistische Bundesamt.

Seit 2006 gingen bundesweit jährlich durchschnittlich 19.100 Lehrer in den Ruhestand. Vor 1999 gab es nie mehr als 11.000 Pensionierungen. Fast überall sind die Lehrerkollegien überaltert, je nach Schulart bewegt sich der Durchschnitt meist knapp über oder unter der 50.

Vor allem im Osten wurde über viele Jahre oft niemand mehr eingestellt. Im Westen ist die Situation nicht ganz so schwierig, dort rollt die Pensionierungswelle und schafft Zwänge, mehr Junglehrer zu beschäftigen – wenn es sie denn gibt.

Fast jeder zweite Lehrer ist über 50

Fast jeder zweite Lehrer in Deutschland ist jenseits der 50 und wird in den kommenden zehn bis 15 Jahren in den Ruhestand gehen. Nach Berechnungen des Bildungswissenschaftlers Klaus Klemm sind dies bis 2020 etwa 460.000 Lehrer. Pro Jahr kommen aber nur 26.000 neue nach.

Ein Engpass ist unausweichlich. Vorboten gibt es bereits; etwa die beinahe aggressive Kampagne, mit der Baden-Württemberg vor zwei Jahren versuchte, Berliner Lehrer in den Süden zu locken. Sie lockten mit Verbeamtung, die es in Berlin nicht mehr gibt.

"Finanzstarke Länder werden in Zukunft den Arbeitsmarkt leer fegen. Dadurch entsteht nicht nur ein Ost-West, sondern auch ein Nord-, Süd-Gefälle", sagt Marianne Demmer von der Bildungsgewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Gleichzeitig können die Jungen aber nicht darauf vertrauen, tatsächlich gebraucht zu werden. Denn der Mangel zeigt sich nicht in allen Fächern gleichermaßen. In Deutsch etwa wird es in den kommenden zehn Jahren ein Überangebot geben.