Vier Gründe dafür – und wie man sie hinterfragen kann von Katharina Wagner

Wer einen Master macht, hat vielleicht keine festen Bürozeiten, braucht aber trotzdem Disziplin.   |  © Piotr_Marcinski/photocase.de

"Ohne Master findet man keinen Job"

Wer als Lehrer oder Psychotherapeut arbeiten will, kommt an einem Masterabschluss nicht vorbei. Auch bei Ingenieuren und Naturwissenschaftlern, die nach dem Studium an neuen Technologien forschen oder leistungsfähigere Produkte entwickeln wollen, ist der Master oft Voraussetzung. Generell lohnt sich ein Master für alle Berufe, bei denen spezielles Fachwissen verlangt wird. Dennoch: Oft geht es auch ohne. Viele Unternehmen bieten Trainee-Stellen an, die sich gezielt an Bachelorabsolventen wenden – vor allem für Wirtschaftswissenschaftler. Auch als Sozialarbeiter und Informatiker reicht ein Bachelorabschluss für den Einstieg häufig aus.

 

"Ich habe noch keine Lust auf den Büroalltag"

Ausschlafen, feiern, lernen im Park: Wer all das noch ein wenig genießen möchte, sollte an der Hochschule bleiben. Der Berufsalltag bietet weniger Freiheiten als das Studentenleben. Interessieren sollte einen das Masterfach jedoch in jedem Fall, sonst reicht die Motivation nicht für vier weitere Semester aus. Und spätestens bei der Abschlussarbeit braucht man nicht nur Ausdauer, sondern auch ein wenig Begeisterung für wissenschaftliches Arbeiten. Aber: Auch wer einen Master macht, sollte den Berufseinstieg nicht komplett aus den Augen verlieren. Denn das Fach und die Schwerpunkte bestimmen meist die Richtung, in die es später beruflich geht.

"Mein Studium hat doch eben erst angefangen"

Als Bachelorstudent macht man sich mit inhaltlichen Grundlagen eines Fachs vertraut, lernt Methoden und wissenschaftliches Arbeiten. Damit ist man bestens gerüstet, um tiefer einzusteigen, egal, ob in Alte Geschichte oder Automatisierungstechnik. Doch bevor das passiert, ist das Studium zu Ende. Wer mehr wissen und weiter forschen will, sollte sich um einen Masterplatz bewerben. Einen besseren Grund, um den Sprung ins Berufsleben aufzuschieben, gibt es wohl kaum. Ein Thema vertiefen kann man allerdings auch in der Praxis, mit der ersten Stelle. Und wer dabei doch wieder Lust auf Theorie bekommt, kann einen berufsbegleitenden Master machen.

"Alle in meinem Freundeskreis machen weiter"

Fast drei Viertel aller Uni-Studenten und rund die Hälfte derer an den Fachhochschulen entscheiden sich nach dem Bachelor für einen Master, so das Ergebnis einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung. Klar, dass da auch einige Kommilitonen weiterstudieren. Davon sollte man sich aber nicht beeinflussen lassen. Vier Semester mit Anwesenheitspflicht, Hausarbeiten und Prüfungen können sehr anstrengend sein. Wer keine Lust mehr hat, Bücher zu wälzen, sollte sich lieber nach Jobs umschauen. Der Bachelor ist ein vollwertiger akademischer Abschluss, mit dem man sich selbstbewusst auf dem Arbeitsmarkt präsentieren kann.

ZEIT Campus Nr. Ratgeber 01/2015