Studienrichtung I gefährdet


Dr. John hat darauf aufmerksam gemacht, dass die KMK eine Fort­schreibung der Vereinbarung zur Lehrer­bildung anstrebt, die nicht mehr vorsieht, dass die Stu­dienrichtung I zugelassen wird. Die Studienrich­tung I ermöglicht als zweites Fach eine spezielle Betriebwirt­schafts­lehre. Da die Situation offenbar so ist, dass die Entscheidungsprozesse in der KMK kurz bevorstehen, hat Dr. John ein Schreiben verfasst, dass an die entpsrechenden Gremien gegangen ist.


KMK

Rahmenvereinbarung für die Ausbildung und Prü­fung für ein Lehr­amt der Sekundar­stufe II (berufliche Fächer) oder für die beruflichen Schulen (Lehramts­typ 5) vom 12.5.1995


hier: Beratungen über die Fortschreibung der Rah­menvereinbarung


Sehr geehrte Damen und Herren,

nach den Informationen, die dem VLW zu der Fortschrei­bung der o. a. Rahmenvereinbarung vorliegen, ist u. a. eine Neuformulierung des Ab­schnittes „3. Studium und fachpraktische Tätigkeit“ vorgesehen. Dabei ist – soweit uns bekannt – das Studium einer speziellen berufli­chen Fach­richtung in Sinne eines affinen Faches nicht mehr vorgesehen bzw. aus den vor­liegenden Formulierungen heraus nicht mehr ableitbar.

Dies bedeutete aus Sicht des wirtschaftspädagogischen Studiums, dass die bewährte Stu­dienrichtung I nicht mehr möglich wäre. Für das wirt­schaftsberufliche Schul­wesen folgte dar­aus, dass zukünftig in der beruf­lichen Fachrichtung Wirtschaft und Verwaltung für eine bran­chenbezo­gene Spezialisierung, z. B. in die Richtungen Banken, Industrie, Steuer­beratung, Verkehrswirtschaft die entsprechend qualifizierten Fachkräfte nicht mehr zur Verfügung stünden.

Damit ginge ein wichtiger Teil der inhaltlichen Kompetenz der wirt­schaftsberuflichen Schulen verloren, was nicht ohne Auswirkungen auf die Qualität der beruflichen Aus- und Weiterbil­dung bliebe. Dieser Qua­litätsverlust würde in der dualen Berufsausbildung ein erhebliches Manko bedeuten, was für alle Befürworter des dualen Berufsbil­dungssystems nicht tragbar wäre.

Der VLW sieht es deshalb als notwendig an, die Studien­richtung I auch bei der Fortschrei­bung der Rahmenver­einbarung mit zu verankern und bittet Sie, sich dafür einzusetzen.
 
Ein weiteres Problem sehen wir in der zu dem Punkt 2.4 (Dauer des Vorbereitungsdienstes) geplanten zeitlichen Veränderung des Vorberei­tungsdienstes. Während die zurzeit noch geltende Rahmenvereinbarung von 24 Mo­naten ausgeht, werden in der geplanten Fort­schreibung für den Vorbereitungsdienst 12 bis 24 Monaten vorgese­hen. Darauf sollen schul­praktische Studien noch verkür­zend angerechnet werden können. Die damit faktisch einher­gehende Verkürzung des Vorbereitungsdienstes ist aus unserer Sicht unter dem Aspekt der Entwicklung einer unter­richtspraktischen Professionalität nicht vertretbar.

Die explizite Festschreibung einer zeitlichen Reduzierung des Vorbe­reitungsdienstes ist aus Sicht des VLW ein Punkt, der zu erheblichen Folgen für den Status der Lehrkräfte gegenüber anderen Beschäftigten des öffent­lichen Dienstes führen kann. Dies ist für die Lehrkräfte der beruflichen Schulen nicht hinnehmbar. Der VLW bittet deshalb um Prüfung, ob nicht durch eine Fest­schreibung des 24-monati­gen Vorbereitungsdienstes mit der Möglichkeit von An­rechnungstatbeständen – wie zum Beispiel der vorgeschriebenen beruflichen Tätigkeit - un­ter Bei­behaltung des allgemeinen Rahmens und der Ver­gleichbarkeit mit anderen Laufbah­nen im öffentli­chen Dienst den Intentionen der Fortschreibung Rechnung getragen werden kann.

Insgesamt lässt sich feststellen: Die Umsetzung der geplanten Veränderungen bedeutete einen schwer­wie­genden Eingriff in die Qualifizierung der zukünf­tigen Lehrkräfte an kaufmän­nischen Schulen. Aus der Sicht des VLW wäre es sinnvoll die Realisierung der geplanten Fortschreibung der Rahmenvereinba­rung noch einmal zu überdenken und in den ange­spro­chenen Punkten neu zu diskutieren.

Es würde mich freuen, wenn Sie diese Anliegen aufgrei­fen.

Für eine Rückäußerung wäre ich dankbar.

Mit freundlichen Grüßen