Wenige Tage vor dem Bildungsgipfel von Bund und Ländern in Dresden hat der Deutsche Philologenverband vor den Auswirkungen des Lehrermangels in Deutschland gewarnt. Wie der Verbandsvorsitzende Heinz-Peter Meidinger der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte, ist die Zahl der Unterrichtsstunden, die pro Woche ausfallen oder nicht lehrplanmäßig gegeben werden, auf 1,1 bis 1,2 Millionen gestiegen.

Vor zwei Jahren hatte der Verband noch von einer Million Stunden gesprochen. Meidinger machte dafür den "dramatischen Lehrermangel" vor allem in den westdeutschen Bundesländern in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik verantwortlich. Dieser Mangel sei seit zehn Jahren bekannt, sagte Meidinger der Zeitung weiter, "jetzt macht er sich aber dramatisch bemerkbar".


Immer mehr Lehrer ohne Fachausbildung

Zwanzig Prozent dieses Unterrichts würden mittlerweile von Lehrkräften erteilt, die entweder fachlich oder pädagogisch nicht dafür ausgebildet seien. Das werde Deutschland "hundertprozentig" in der PISA-Studie 2009 zu spüren bekommen, sagte Meidinger und: "Ich schließe nicht mehr aus, dass wir einige Schulen haben, in denen kein einziger Lehrer den normalen Weg der Lehrerausbildung gegangen ist."

Konkurrenz um gute Lehrer

Die Bundesländer hätten durchaus mehr Planstellen geschaffen und nicht alle Stellen gestrichen, die sie wegen des Schülerrückgangs hätten einsparen können, sagte Meidinger. "Wir finden aber nicht die Köpfe für diese Stellen." Die Schulen suchten sich inzwischen ihre Lehrer selbst, weil die Ministerien ihnen keine geeigneten Lehrkräfte bieten könnten. Das führe dazu, dass niemand abgelehnt werde und dass sich die Schulen auf dem Arbeitsmarkt gegenseitig die Leute wegschnappten: "Da ist ein Riesenwildwuchs entstanden."

Naturwissenschaften trifft es besonders

Nach Rechnung des Philologenverbandes fehlen derzeit 20.000 Lehrer in Deutschland, davon 15.000 in naturwissenschaftlichen Fächern. Diese Zahl werde sich in den nächsten fünf Jahren wohl verdoppeln, glaubt Meidinger. In anderen Fächern, etwa bei den Sprachen und Sozialwissenschaften, werde es hingegen in vier Jahren einen Lehrerüberhang geben.

Ostdeutschland wird Pensionierungswelle treffen

Am meisten zuspitzen wird sich die Lage laut Verband in den bevölkerungsreichen Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und in Bayern. Im Osten Deutschlands wiederum werde die Pensionierungswelle in drei bis vier Jahren "voll auflaufen". Dann gebe es auch dort ein "verschärftes Problem". - t-online