Hannover. Lehramtsstudenten sollen künftig schon im Studium mehr Einblicke in das Schulleben erhalten, damit sie als Referendare keinen Praxisschock bekommen. Der Landtag hat gestern mit den Stimmen von CDU und FDP beschlossen, Pflichtpraktika in die Ausbildung einzubauen. Die Illusion vom Halbtagsjob mit vielen Ferien, die sich mancher Studienanfänger noch vom Lehrerberuf mache, müsse so früh wie möglich von der Wirklichkeit widerlegt werden, sagt der CDU-Wissenschaftsexperte Jens Nacke.

Generell soll die Studiendauer für alle Lehrämter, auch für Grund-, Haupt und Realschulen auf fünf Jahre verlängert werden. In einem Modellversuch soll die Ausbildung von Grundschullehrern und Erziehern in Kindergärten enger verzahnt werden. Seiteneinsteiger sollen schneller und gezielter pädagogisches Rüstzeug erhalten. Der Opposition gehen diese Vorschläge nicht weit genug. „Wir brauchen eine echte Professionalisierung der Lehrerausbildung“, fordert Wolfgang Wulf (SPD), Vorsitzender des Wissenschaftsausschusses. Von weiteren Eignungsprüfungen, wie sie die Regierungskoalition vorschlägt, hält er wenig: „Schon jetzt gibt es 40 Prüfungen in sechs Semestern, das ist Dauerstress.“ Die angehenden Lehrer müssten an den Universitäten besser betreut werden, auch während der Schulpraktika. Nötig seien nicht nur landesweit 2000 zusätzliche Referendariatsplätze, sondern auch mehr Studienseminare. Wulf verspricht, die SPD werde tapfer Widerstand gegen die Pläne der Regierung leisten wie das gallische Dorf. Und fortan geht es in den Reden der Abgeordneten mehr um Asterix als um junge Lehrer. Die kommen zwar auch noch irgendwie vor, als Christian Grascha (FDP) sagt, dass Pädagogen oft das ausbügeln müssten, was in manchen Familien schiefgelaufen sei. Und als die Grünen-Politikerin Gabriele Heinen-Kljajic, offenkundig eher Schiffs- als Asterix-Fan, von der auf Grund gelaufenen Bildungspolitik der Landesregierung spricht, die durch ein paar zarte Reformansätze in der Lehrerausbildung auch nicht wieder flott werde. Sie fordert eine Lockerung bei den Fächerkombinationen. Es könne nicht sein, dass Bewerber, die ein Mangelfach wie Mathematik oder Physik studieren wollten, nicht zugelassen werden, weil ihr gewünschtes Zweitfach als Kombinationsmöglichkeit nicht vorgesehen sei. Außerdem sollten auch Lehrer zugelassen werden, die nur ein Fach unterrichteten. Der CDU/FDP-Antrag sieht lediglich vor, dies zu prüfen. Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) wünscht sich junge Lehrer, die bei ihren Schülern die Begeisterung für die Naturwissenschaften wecken. Nur so lasse sich der Teufelskreis der Mangelfächer irgendwann durchbrechen. Dann redet er wieder vom gallischen Dorf, greift die rot-rote Regierung in Berlin an, was wiederum Victor Perli von den Linken zu einer Attacke gegen den Wissenschafts-Staatssekretär Josef Lange provoziert. Da wird CDU-Mann Nacke wütend und poltert: Wenn die Opposition sich schon als gallisches Dorf fühle, dann sei sie nicht das von Asterix, sondern er fühle sich an das Heft „Der große Graben“ erinnert. Dort ist ein Dorf durch einen Graben gespalten, und beide Seiten sind böse zerstritten. Perli sei wie der dort vorkommende Ränkeschmied Greulix. Linken-Fraktionsvorsitzende Kreszentia Flauger nennt Nackes Vergleich „daneben“. Dann wird abgestimmt, im Foyer gibt es Kaffee und Kuchen, keine Wildschweine.

Die Opposition sei so zerstritten wie das Dorf im Asterix-Heft „Der große Graben“, findet CDU-Politiker Jens Nacke.

30.10.2009 / HAZ