Von Peter Mlodoch

Hannover. Für angehende Lehrer bedeutet es weniger Geld, die CDU-FDP-Landesregierung verspricht sich davon eine höhere Qualität des Berufs: Niedersachsen verlängert und reformiert die Ausbildung für Grund-, Haupt- und Realschullehrer. Spätestens ab 2016 will das Land nicht mehr alle freiwerdenden Lehrerstellen neu besetzen. "Wegen der sinkenden Schülerzahlen sinkt auch der Einstellungsbedarf", sagte Kultusminister Bernd Althusmann (CDU).

Es war eher eine beiläufige Ansage des Ressortchefs, als er gestern gemeinsam mit seiner Kollegin vom Wissenschaftsministerium, Johanna Wanka (CDU), in Hannover die Pläne für die neue Lehrerausbildung präsentierte. Diese kosten den Landeshaushalt zunächst zusätzliches Geld - allein 1,2 Millionen Euro 2012. Aber schon ab 2016 kehrt sich dies laut Althusmann in eine Ersparnis um - auf 8,4 Millionen Euro 2019. Der Hauptbatzen, gab der Minister zu, werde dann durch nicht wieder besetzte Lehrerstellen erwirtschaftet. "Unser Ziel ist und bleibt aber eine Unterrichtsversorgung von 100 Prozent."

 

Bisher besetzt die schwarz-gelbe Koalition trotz rückläufiger Schülerzahlen und gegen die Kritik des Landesrechungshofes alle durch Pensionierung freiwerdenden Posten neu. Allein für diesen Sommer sind 2053 Lehrerstellen ausgeschrieben. Das Plus soll Lücken in der Unterrichtsversorgung schließen, aber auch helfen, die auf den Arbeitszeitkonten angelaufenen Stunden auszugleichen. Bis 2014 prognostiziert das Ministerium dafür einen erhöhten Bedarf. Wenn dieser wegfalle, könne man langsam auch mit dem Abbau des Lehrerbestandes beginnen, deutete Althusmann an, ohne sich allerdings auf konkrete Aussagen festlegen zu lassen.

Genau umrissen er und Wanka dagegen den neuen Ausbildungsweg für angehende Lehrer an den Grund-, Haupt- und Realschulen. Das dreijährige Bachelorstudium bleibt gleich, der Masterstudiengang wird aber von einem auf zwei Jahre verdoppelt. Darin integriert wird ein sechsmonatiger Praxisblock in den Schulen vor Ort - unter Aufsicht einer altgedienten Lehrkraft als Mentor. "Kein Studierender ist allein mit der Schulklasse", betonte Althusmann. Das anschließende Referendariat wird von 18 auf zwölf Monate verkürzt.

Für die Nachwuchslehrer hat das direkte finanzielle Auswirkungen. Ihnen geht nicht nur ein halbes Jahr mit den Anwärterbezügen für den Vorbereitungsdienst verloren. Sie müssen für das zusätzliche Jahr an den Universitäten auch noch Studiengebühren berappen. Bei der Besoldung später ändert sich trotz der verlängerten Studienzeit nichts.

Für Althusmann und Wanka sind diese Verluste angesichts einer deutlich verbesserten Qualität der Ausbildung gerechtfertigt. Durch den früheren Praxisteil bekomme man schnell einen intensiven Einblick in den Berufsalltag. Man erlebe direkt vor Ort, welche Anforderungen einen später in den Klassen erwarteten.

"Enttäuschend und altbacken" nannte die Lehrergewerkschaft GEW das Vorhaben. Die Lehrerbildung werde noch nicht einmal an die neue Oberschule angepasst. Und obwohl die Studienzeiten denen der Gymnasiallehrer angeglichen würden, bliebe es bei der schlechteren Besoldung der anderen Lehrkräfte.

Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte begrüßte zwar den größeren Praxisbezug, monierte aber die Verkürzung des Referendariats.

Die Grünen kritisierten, dass angehende Gymnasiallehrer von der stärkeren Verknüpfung von Theorie an den Hochschulen und Praxis an den Schulen ausgenommen seien. Die SPD sprach von einem "Billigmodell". Mit der getrennten Lehrerausbildung wolle die CDU/FDP-Koalition nur das antiquierte dreigliedrige Schulsystem retten.

Weserkurier 18.05.11