Lehrkraft in Deutschland zu sein, ist finanziell nicht wirklich attraktiv. Doch wer beim Gehalt für Lehrer spart, geizt an der falschen Stelle. Denn schlechte Bildung wird erst richtig teuer.

Von Kolumnist

Es gibt viele Gründe, wieso es reichere und ärmere Länder gibt. Nach einer einfachen Faustregel haben Binnenländer, die weit weg vom Meer im Innern eines Kontinents liegen, ganz schlechte Karten. Es ist kaum Zufall, dass beim Index der menschlichen Entwicklung 2014 (errechnet von der Entwicklungsplattform der Vereinten Nationen UNDP) die "landlocked countries" drei der letzten vier und vier der letzten acht Plätze belegen.

 

Noch deutlicher zeigt sich der Nachteil der Binnenländer im Vergleich zu unmittelbar benachbarten Küstenstaaten. So gehören Niger, Zentralafrika und der Tschad zu den ärmsten Staaten Afrikas. Afghanistan ist das am wenigsten entwickelte asiatische Land. Bolivien und Paraguay liegen in Südamerika ganz hinten. In Europa stehen Moldawien, Weißrussland oder Serbien schlechter da als ihre Nachbarn. Und selbst Griechenland schneidet mit Platz 29 um Längen besser ab als das vom Meer abgeschnittene nördlich angrenzende Mazedonien auf Platz 84.

Eine Ausnahme verblüfft. Das Binnenland Schweiz liegt weltweit auf Platz drei, hinter Norwegen und Australien, aber vor den Niederlanden, den USA und Deutschland. Wo liegt die Erklärung für den Erfolg einer Alpenrepublik ohne Zugang zum Meer und ohne Rohstoffe? Ohne Rohstoffe!? Ja, wenn Öl, Gas, Erze, seltene Erden oder Edelmetalle gemeint sind. Nein, wenn die offenbar weit wichtigere Ressource "Wissen und Können" angesprochen ist.

Schweiz setzte schon 1855 auf Bildung

Auch wenn es eine Banalität ist: Den Eidgenossen war sehr früh sehr klar bewusst, dass in einem gebirgigen "landlocked" Umfeld der Leistungs- und Innovationsfähigkeit der Bevölkerung ein besonderer Stellenwert zukommt. Bereits 1855, unmittelbar nach der Staatsgründung der Schweiz in ihrer heutigen Form (1848), wurde in Zürich ein nationales "Polytechnikum" gegründet. Es wurde eine der treibenden Kräfte der Schweizer Industrialisierung, sorgte für neues Know-how, bildete Fachleute (auch aus dem Ausland zugewanderte) aus und unterstützte als zentrales wissenschaftliches Flaggschiff den Aufbau von zukunftsweisenden nationalen Infrastrukturen.

Als ETH Zürich wird die Eidgenössische Technische Hochschule heute als die führende Universität Kontinentaleuropas bewertet. Sie liegt in den Ranglisten weit vor allen wissenschaftlichen Einrichtungen aus ihren Nachbarländern mit Meerzugang. Auch die Universitäten Zürich, Genf und Basel dürften weltweit zu den besten 100 Hochschulen gehören.

Werden die nationalen Bildungsausgaben genauer analysiert, zeigt sich die nächste Überraschung: nach Berechnungen der OECD gibt die Schweiz nämlich keineswegs mehr Geld für Bildung aus als andere Staaten. Mit 5,6 Prozent des Bruttoinlandprodukts liegen die Ausgaben unter dem OECD-Durchschnitt von 6,1 Prozent (aber über dem Wert für Deutschland von 5,1 Prozent).