Die Vermögensfrage Wer auszieht ist oft nicht mehr über die Eltern versichert

Kranken-, Haftpflicht- Hausratversicherung: Wenn der Nachwuchs zum Studium oder in die Ausbildung aufbricht, sollten viele Verträge überprüft werden – genau wie der Anspruch auf Kindergeld. von Barbara Brandstetter

Das neue Jahr ist jung. Ebenso die Vorsätze, was in diesem Jahr alles anders werden soll. Weniger rauchen, an Hüfte und Bauch abspecken und der Familie mehr Zeit widmen. In den kommenden Wochen werden die Illustrierten mit zahlreichen Tipps aufwarten, wie Kekse, Schokolade und Bonbons auch über die erste Januarwoche hinweg im Schrank bleiben und mehrmals in der Woche die Sportschuhe geschnürt werden. Doch warum es nicht mal mit einem überschaubaren Vorsatz versuchen, der tatsächlich eingehalten werden kann? Beispielsweise Ordnung in Verträge und Finanzangelegenheiten bringen.

Zum Jahresbeginn bietet es sich an, einen Blick in die Versicherungsunterlagen zu werfen. Gibt es Möglichkeiten, die Verträge zu verbessern? Oder auch: Sind die Kinder noch mitversichert? Wenn der Nachwuchs flügge wird, muss er sich nicht nur um eine Wohnung, sondern mitunter auch um eigene Versicherungen kümmern. Denn bei einigen Gesellschaften erlischt die Absicherung über die Eltern, sobald der Sohn oder die Tochter das Kinderzimmer im Haus der Eltern räumt und einen eigenen Hausstand gründet. Spätestens dann müssen sie sich um eigene Policen kümmern.

Die eigenen vier Wände und Versicherungen sind das eine, ein anderer wichtiger Punkt bei erwachsenen Kindern ist der Anspruch auf Kindergeld und die damit verbundenen Vergünstigungen. Arbeiteten Sohn oder Tochter neben ihrem Master-Studium zu viel, erlosch bisher der Anspruch auf Kindergeld. Doch zu diesem Sachverhalt haben die Richter des Bundesfinanzhofs ein für Eltern erfreuliches Urteil gefällt (Az. VI R 9/15). Dazu später mehr.

Die Policen für den Sprössling sind schnell überprüft. Auch die Studierenden und Azubis müssen gar nicht allzu tief in die Versicherungswelt eintauchen. Denn in der Regel reicht in jungen Jahren eine Handvoll Versicherungen. „Eine Haftpflicht-, eine Kranken- und Pflegeversicherung sowie eine Auslandsreisekranken- und Berufsunfähigkeitsversicherung sollten junge Leute haben“, sagt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Dazu kommen noch optionale Versicherungen wie beispielsweise eine Hausratversicherung.

„Private Haftpflicht elementar“

In der Regel sind Kinder, die eine Ausbildung machen oder zum Studium gehen, bis zum Ende der ersten Ausbildung - maximal jedoch bis zum 25. Lebensjahr - über die Haftpflichtversicherung der Eltern mitversichert. Das gilt auch für den Nachwuchs, der nach der Schule erst einmal einen Bundesfreiwilligendienst absolviert […].

„Die Absicherung über eine private Haftpflicht ist elementar“, sagt Christoph Herrmann, Versicherungsexperte bei „Finanztest“. Sie springt ein, wenn jemand einem Dritten versehentlich einen Schaden zufügt, deckt also Personen-, Sach- und Vermögensschäden ab. Etwa, wenn die wertvolle Ming-Vase der Nachbarn versehentlich umgestoßen wird und in tausend Scherben zerspringt, der Virus auf dem USB-Stick das Firmennetzwerk lahmlegt oder wenn man beim Fahrradfahren einen Fußgänger so unglücklich verletzt, dass dieser ein Pflegefall wird.

In all diesen Fällen springen neuere Haftpflichtversicherungen ein. Sie schützen den Versicherten dann mitunter vor dem finanziellen Ruin. Denn jeder haftet für Schäden, die er verursacht, mit seinem Vermögen und seinem Einkommen bis zur Höhe der Pfändungsgrenze.

Gute Policen schon ab 48 Euro

Sobald Sohn oder Tochter heiraten, ist Schluss mit der Mitversicherung über die Haftpflicht der Eltern. Und weil die Versicherungsbedingungen einzelner Gesellschaften sehr unterschiedlich sind, sollten Eltern spätestens beim Auszug von Sohn oder Tochter beim eigenen Versicherer nachfragen, wie lange der Versicherungsschutz für den Nachwuchs noch greift. „Es gibt einige Anbieter, bei denen der Schutz erlischt, sobald Sohn oder Tochter aus dem Elternhaus ausziehen“, sagt Boss.

Auch wenn der Nachwuchs zwischen einzelnen Ausbildungsabschnitten pausiert und erst einmal zur Rucksackreise nach Australien geht, sollten sich Eltern und Kind erkundigen, inwiefern der Versicherungsschutz über die Eltern und im Ausland weiterbesteht. Selbst wenn für den Nachwuchs eine eigene Haftpflicht notwendig ist: Ein allzu großes Loch reißt die Police nicht in den Geldbeutel. Gute Policen gibt es - so eine Untersuchung von „Finanztest“ Ende 2014 - bereits für 48 Euro im Jahr.

„Unabhängig vom Auszug der Kinder lohnt es sich, die Versicherungsbedingungen der eigenen Haftpflichtversicherung alle fünf Jahre zu prüfen“, rät Versicherungsexpertin Boss. Jüngere Policen decken inzwischen einen deutlich umfassenderen Schaden von bis zu fünf Millionen Euro ab. Zudem haben etliche Versicherer ihr Leistungsspektrum erweitert und zahlen inzwischen beispielsweise bei Schäden durch Computerviren.

Kranken-Mitversicherung an Bedingungen geknüpft

Etwas komplexer gestaltet sich die Versicherung des Nachwuchses bei der Kranken- und Pflegeversicherung. Entscheidet sich der Sohn für eine Ausbildung in einem Betrieb, muss er sich in der Regel eigenhändig gesetzlich krankenversichern. Eine beitragsfreie und somit kostenfreie Versicherung über die Eltern ist dann nicht mehr möglich.

Geht der Nachwuchs studieren oder absolviert eine schulische Ausbildung, verlängert sich eine mögliche kostenlose Mitversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung bis zum 25. Lebensjahr. Dies ist jedoch an eine Bedingung geknüpft: Die gesamten Einnahmen von Sohn oder Tochter dürfen regelmäßig 415 Euro im Monat nicht übersteigen. Dazu zählen nicht nur das Einkommen, sondern auch Zinsen oder Mieteinnahmen.

Bei einem Minijob erhöht sich die Grenze auf 450 Euro. Eine Ausnahme gibt es, wenn der Studierende in den Semesterferien eine sogenannte kurzfristige Beschäftigung ausübt, die von vornherein auf maximal drei Monate oder 70 Arbeitstage im Jahr begrenzt ist. Wird diese nicht berufsmäßig ausgeführt, spielt die Höhe des Verdienstes in diesem besonderen Fall keine Rolle.

Nachrechnen lohnt sich

Dass sich das konkrete Nachrechnen bei Jobs neben dem Studium lohnt, zeigt ein einfaches Beispiel: Hat der Studierende lediglich einen Minijob, ist eine Mitversicherung über ein Elternteil möglich. „Dann braucht er für seine Kranken- und Pflegeversicherung keinen Cent zu zahlen“, sagt Michael Ihly von der Techniker Krankenkasse.

Übernimmt der Studierende einen anderen Job, bei dem er regelmäßig zum Beispiel 600 Euro im Monat verdient, ist eine kostenlose Mitversicherung über die Eltern ausgeschlossen. In diesem Fall sind Studierende jedoch - sofern eine Absicherung über einen Elternteil nicht mehr möglich ist und sie in erster Linie Student sind - über die studentische gesetzliche Krankenversicherung abgesichert. Der Beitrag beträgt aktuell 61,01 Euro im Monat. Für die Pflegeversicherung zahlen kinderlose Studierende 15,52 Euro, Studierende mit Kind 14,03 Euro.

Hinzu kommt der Zusatzbeitrag, den etliche Kassen erheben und viele gerade wieder erhöht haben. Es lohnt daher, Zusatzbeiträge und Leistungen der einzelnen Kassen zu vergleichen. Denn Betroffene haben im Fall einer Beitragserhöhung ein Sonderkündigungsrecht. Nach dem 14. Fachsemester oder der Vollendung des 30. Lebensjahres ist - bis auf wenige Ausnahmen - mit der studentischen Versicherung Schluss.

Studium darf nicht in den Hintergrund rücken

Schluss ist mit der studentischen Krankenversicherung auch, wenn das Studium in den Hintergrund rückt und die meiste Zeit in einen Nebenjob investiert wird. Die Richter des Bundessozialgerichts haben festgestellt, dass ein Studierender, der in der Vorlesungszeit mehr als 20 Stunden in der Woche arbeitet, zu wenig Zeit zum Studieren hat.

Doch wie so oft gibt es auch hier Ausnahmen: Arbeitet der Studierende überwiegend am Wochenende sowie in den Abend- und Nachtstunden, kann er sich mitunter auch dann noch als Student krankenversichern, wenn er mehr als 20 Stunden in der Woche arbeitet. „Solche Fälle prüfen und entscheiden die einzelnen Krankenkassen“, sagt Ann Marini, stellvertretende Pressesprecherin des GKV-Spitzenverbands, dem Verband der gesetzlichen Krankenkassen.

Alternativ können Studierende auch eine private Krankenversicherung wählen. Nach Angaben des Wissenschaftlichen Instituts der Privaten Krankenversicherung (WIP) waren 2008 rund 260.000 Studierende privat krankenversichert. „Wir gehen davon aus, dass die Zahl konstant geblieben ist“, sagt Dominik Heck vom Verband der Privaten Krankenversicherung e. V.

Auslandreise-Krankenversicherung

Wer als Student eine private Krankenversicherung wählt, muss zunächst bei einer gesetzlichen Krankenkasse einen Antrag auf Befreiung von der Krankenversicherungspflicht stellen. Rechnen kann sich dies beispielsweise für Kinder von Beamten. Denn in diesem Fall übernimmt in der Regel der Staat über die Beihilfe einen Teil der Krankheitskosten, Sohn oder Tochter können sich über einen beihilfekonformen Tarif günstig versichern.

Die Absicherung wird in der Regel jedoch teurer, wenn die Eltern ihren Anspruch auf Kindergeld verlieren. Denn dann entfällt der Beihilfeanspruch für das Kind. Die Entscheidung privat oder gesetzlich will wohl überlegt sein - schließlich gilt sie für die gesamte Dauer des Studiums.

Ein Muss für alle, die am Wochenende nach Paris oder in den Semesterferien nach Bali reisen, ist eine Auslandsreise-Krankenversicherung. Sie übernimmt die Behandlungskosten und finanziert auch einen medizinisch notwendigen Krankenrücktransport. „In diesem Fall sind Kinder oft nur bis zum 18. Lebensjahr über die Eltern mitversichert“, sagt Boss. Sohn oder Tochter sollten sich daher eigenhändig um eine Police kümmern. Erschwinglich ist diese für Studierende und Azubis allemal. Die Versicherung gibt es bereits für weniger als zehn Euro im Jahr.

Hausratversicherung

Wer nach dem Abitur ein kleines WG-Zimmer bezieht, den Lebensmittelpunkt jedoch noch bei seinen Eltern belässt, hat sein Hab und Gut mitunter auch über die Hausratversicherung der Eltern abgesichert. Diese Mitversicherung endet jedoch spätestens dann, wenn der Nachwuchs einen eigenen Hausstand gründet und seinen Lebensmittelpunkt in die Studentenstadt verlegt. Ist das WG-Zimmer oder die erste eigene Wohnung jedoch mit günstigen Möbeln bestückt und frei von Wertgegenständen, kann auf die Hausratversicherung getrost verzichtet werden.

Anders verhält es sich hingegen bei der Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese sollten Studierende und Azubis zwingend abschließen. Die Versicherung zahlt, wenn der Betroffene wegen Krankheit oder wegen eines Unfalls nicht mehr in der Lage ist, seinen Beruf auszuüben. Leute in jungen Jahren haben in der Regel wenige Vorerkrankungen und erhalten daher - sofern sie keinen risikoreichen Beruf anstreben - leichter eine Police. „Junge Leute sollten darauf achten, dass eine Nachversicherung möglich ist“, rät Boss. So lässt sich die Versicherungssumme später ohne Gesundheitsprüfung erhöhen.

Kindergeld: Anspruch bis zum 25. Lebensjahr

Eltern haben Anspruch auf Kindergeld bis der Nachwuchs 18 Kerzen auf seinem Geburtstagskuchen ausbläst. Entscheiden sich Sohn oder Tochter für eine Ausbildung oder ein Studium, verlängert sich der Anspruch auf Kindergeld bis zum vollendeten 25. Lebensjahr. Dabei ist seit 2012 unerheblich, wie viel der Nachwuchs in seiner Ausbildung oder neben dem Studium verdient. Seitdem unterscheidet der Gesetzgeber lediglich, ob es sich um eine Erst- oder Zweitausbildung handelt.

Während der Sprössling in der Erstausbildung so viel arbeiten und verdienen kann, wie er will, hat die Finanzverwaltung bei der Zweitausbildung eine Grenze von 20 Stunden in der Woche vorgesehen. Arbeiten Sohn oder Tochter mehr als 20 Stunden, verlieren die Eltern ihren Anspruch auf das Kindergeld. Betroffen waren von dieser Regelung bisher auch alle, deren Sohn oder Tochter ein Master-Studium absolvieren. Denn bislang stuften die Finanzbehörden das Master-Studium als Zweitausbildung ein.

Doch nun urteilten die Münchener Richter, dass ein Master-Studium - sofern es zügig nach dem Bachelor-Abschluss aufgenommen wird - „Teil einer einheitlichen Erstausbildung“ ist (Az. VI R 9/15). Einzige Bedingung: Das Master-Studium muss „zeitlich und inhaltlich auf den vorangegangenen Bachelor-Studiengang“ abgestimmt sein. An Hochschulen ist dann von einem sogenannten konsekutiven Master die Rede. Insofern ist für viele Eltern, deren Kind unter 25 ist und einen konsekutiven Master absolviert, ab sofort irrelevant, wie viele Stunden der Spross neben seinem Master-Studium arbeitet. Der Anspruch auf Kindergeld bleibt erhalten.

Unterschiedliche Definitionen von „Erstausbildung“

Das sind gute Nachrichten für die Eltern. Für die Kinder ist hingegen von Nachteil, wenn der Master plötzlich als Erstausbildung eingestuft wird. Denn dann könnten sie die Ausgaben für den Master lediglich als Sonderausgaben bis maximal 6000 Euro steuerlich geltend machen. In diesem Fall verpuffen die Ausgaben oft, da die Studierenden nicht ausreichend Einkünfte haben, mit denen sie diese verrechnen können.

Doch seit Anfang 2015 ist in Paragraph 9, Absatz 6 EStG konkret geregelt, was unter einer Erstausbildung zu verstehen ist, wenn es um den Werbungskostenabzug geht. Und danach ist der Master - sofern es um die steuerliche Absetzbarkeit von Studienkosten geht - eindeutig eine Zweitausbildung. „Es erscheint zwingend, den Begriff der Erstausbildung beim Kindergeld und beim Steuerabzug gleich zu behandeln“, sagt Peter Kauth vom Internetportal Steuerrat24.de.

Solange es unterschiedliche Definitionen gibt, sollten Eltern beim konsekutiven Master auf ihren Anspruch auf Kindergeld pochen - auch wenn der Nachwuchs mehr als 20 Stunden die Woche arbeitet. „Sohn oder Tochter sollten hingegen ihre Ausgaben für das Master-Studium als Werbungskosten steuerlich geltend machen“, rät Uwe Rauhöft vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine. Eine Win-win-Situation für Eltern und Kind. Eltern behalten auch bei einem Kind im Master-Studium, das mehr als 20 Stunden in der Woche arbeitet, ihren Anspruch auf Kindergeld. Und der Nachwuchs macht seine Ausgaben für das Studium als Werbungskosten geltend.

Werbungskosten haben den Vorteil, dass die Aufwendungen für das Studium auch dann nicht verpuffen, wenn während der Lehrjahre nicht allzu viel verdient wird. Die Ausgaben, die nicht mit Einkünften gegengerechnet werden können, werden einfach Jahr für Jahr über die Steuererklärungen addiert und festgehalten. Im ersten Berufsjahr können dann all diese Aufwendungen für Fahrten zur Uni, Lerngruppen, Computer und Bücher steuerlich geltend gemacht werden. Dann dürfte die Steuerlast im ersten Berufsjahr gering und der Start ins Berufsleben entsprechend gelungen ausfallen.

faz.net 09.01.2016