Digitale Transformation: Niedersachsens Berufsschullehrerverbände BLVN und VLWN definieren auf Fachtagung in der MMBbS Eckpunkte für digitalen Masterplan

HANNOVER, 31.03.2017. Die digitale Transformation ist längst in den Klassenzimmern angekommen. Nur mangelt es an vielen Schulen nach wie vor an der nötigen Breitbandanbindung und der technischen Ausstattung, um die zukunftsweisenden Möglichkeiten der Digitalisierung in den Unterricht zu implementieren. Die niedersächsischen Berufsschulverbände BLVN und VLWN fordern daher einen Masterplan für digitale Bildung und haben auf dem Berufsschultag am gestrigen Donnerstag, 30. März, in den Multimedia Berufsbildenden Schulen (MMBbS) dafür fünf zentrale Eckpunkte definiert:

GigaBIT-Anschluss für alle Schulen, freies W-LAN immer und überall, Einbindung der schülereigenen Endgeräte (Bring your own device), juristisch rechtssichere und lizenzfreie Inhalte in der Cloud für webbasierte Anwendungen  sowie ein nachhaltiges Fortbildungsangebot für Lehrkräfte.

Hinzu kommt der Faktor Zeit, um die grundlegenden Veränderungen im Unterricht zu verankern

Forderungen, die auch die anwesende Kultusministerin Frauke Heiligenstadt unterstreichen konnte und hier Handlungsbedarf sah. In ihrer Begrüßungsrede sagte die SPD-Politikerin, dass sowohl die technisch notwendigen Standards geschaffen werden müssten als auch ein adäquates Fortbildungsprogramm aufgelegt werden müsse. „Hierbei ist es wichtig, dass wir flexibel bleiben, denn die Anforderungen verändern sich ständig. Ebenso wichtig ist es, die Wirtschaft als Partner mit an Bord zu holen, um die Lehrinhalte auf die Bedürfnisse der Arbeitgeber abstimmen zu können“, sagte Heiligenstadt.

Der Schlüssel zur digitalen Ausbildung in den Schulen ist die Lehrkraft. Die banale Grundvoraussetzung zur digitalen Teilhabe ist der Breitbandanschluss. „Der digitale Umbruch birgt Chancen und Risiken. Wir müssen den Zugang zu den Inhalten durch ein pädagogisch-didaktisches Konzept gewährleisten und Medienkompetenz als Überbau in allen Fächern verankern und in den Curricula integrieren, um die Chancen zu nutzen und die Risiken auszuschließen“, sagte Joachim Maiß, Schulleiter der MMBbS und Landesvorsitzender des Verbandes der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen (VLWN). Er betonte weiter: „Entscheidend für den Erfolg ist, dass die Technik am Ende funktioniert und webbasierte Lerninhalte, die in Rechenzentren auf datenschutzrechtlich konformen Servern laufen und somit jederzeit für die Schüler mit ihren eigenen Endgeräten wie Handy oder Tablet abrufbar sind.“

Gut 100 Fachlehrer, Kammer- und Wirtschaftsvertreter, sowie die bildungspolitischen Sprecher aller Fraktionen des niedersächsischen Landtages, diskutierten auf der Fachtagung, welche Voraussetzungen nötig sind, um die Herausforderung der digitalen Transformation zu bewältigen. „Um hier allgemeingültige Standards zu gewährleiten, muss eine interministerielle Arbeitsgruppe ins Leben gerufen werden. Ein Think Tank, in dem Wirtschaftsvertreter, Fachverbände, das Kultusministerium, die Landesschulbehörde und die berufsbildenden Schulen die Meilensteine für die digitale Bildung festzurren und das Thema selbst bildungspolitisch fest verankern“, sagte Heinz Ameskamp, Landesvorsitzender des Berufsschullehrerverbandes Niedersachsen (BLVN). Verbandsseitig helfe man gerne, die digitale Transformation konstruktiv und kritisch mitzugestalten.

„Die Digitalisierung ist in aller Munde. Und ich habe das Gefühl, dass zu viel geredet wird, ohne dass etwas passiert. Die Schulträger brauchen klare Vorgaben, wohin die Reise gehen soll, um in die notwendigen technischen Ausstattungen der Schulen zu investieren. Wir brauchen hier und jetzt ein klares Bekenntnis der Politik für den flächendeckenden Ausbau der Highspeed-Anbindungen. Wer es damit erst meint, verlegt die notwendigen Kabel auch und schafft Fakten“, sagte Joachim Maiß.

Wobei mit dem Highspeed-Ausbau nicht die 50 MB-Breitbandverkabelung gemeint ist, die in der politischen Diskussion sei. „Highspeed meint GigaBIT. Alles andere ist Unsinn. Wenn 2500 Schülerinnen und Schüler zeitgleich ins Netz gehen, Lerninhalte vom Server laden, online recherchieren, dann reichen 50 MB nie und nimmer“, betonte Maiß.

Um die Lerninhalte überall und immer abrufbar zu machen, ist ein flächendeckendes und kostenloses W-LAN notwendig. „Dann können die Schülerinnen und Schüler auch außerhalb der eigentlichen Schulzeit jederzeit problemlos mit dem eigenen Laptop, dem Handy oder dem Tablet arbeiten. Das ermöglicht eine sehr individuelle Art des Lernens“, sagte Ameskamp und weiter: „Wir stehen am Anfang einer Entwicklung. Neben der technischen Ausstattung ist selbstverständlich auch ein verlässlicher Haushaltsansatz nötig. Denn die fünf Milliarden, mit denen Bundesministerin Wanka in den nächsten fünf Jahren die Schulen technisch aufrüsten möchte, sind nicht wirklich sicher, weil im Bundeshaushalt nicht verankert. Aber wir brauchen jetzt ein Budget und Ressourcensicherheit und eine deutliche Erhöhung der Unterrichtsversorgung, die derzeit bei nur 88,6 % liegt, um voranzuschreiten – damit Bildung auch morgen noch kraftvoll wirken kann.“

Hannover, 31. März 2017

Heinz Ameskamp                                                                    Joachim Maiß

(Landesvorsitzender des BLVN)                                         (Landesvorsitzender des VLWN)

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