„Die Situation des Lehrermangels wurde von der Politik viel zu lange schöngeredet, Pensionierungswellen nicht ausreichend ausgeglichen und nun zeigt sich auch noch, dass die KMK mit falschen Zahlen rechnet. Für 2030 wird durch die Bildungsforscher Klemm und Zorn ein zusätzlicher Bedarf von 43.000 Lehrkräften prognostiziert, allerdings ist das noch optimistisch, schließlich gehen sie von gleichbleibenden Klassengrößen und der Fortführung des Ein-Lehrer-Prinzips aus“, kommentiert Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) die heute veröffentlichte Schätzung der Schülerpopulation bis 2025 von Klaus Klemm und Dirk Zorn im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

 

Beckmann führt aus: „Schule verändert sich. Inklusion und Integration stellen Herausforderungen für das pädagogische Personal dar. Jedes Kind soll individuell entsprechend seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten gefördert werden. Auch der Ganztagsbetrieb macht zusätzliches pädagogisches Personal unabdingbar. Zugleich wachsen die Erziehungsaufgaben an. Dies zu bewältigen, kann nur in kleineren Lerngruppen, mit der Unterstützung durch multiprofessionelle Teams und in Inklusionsklassen mit einer weitestgehenden Doppelbesetzung gelingen. Da die Politik die Inklusion aber jahrelang als Sparprogramm erachtet hat, steht sie nun mit Fragezeichen im Gesicht da und verkündet, Klassen nicht kleiner machen zu können, da Personal fehlt. Das sind hausgemachte Probleme, die auf dem Rücken von Schülerinnen und Schülern und den Lehrkräften ausgetragen werden!“

 

Der VBE-Bundesvorsitzende fordert die Politik auf, zur Bekämpfung des Lehrermangels an zwei Stellen anzusetzen: „Erstens braucht es eine Lehrerausbildungsoffensive. Wer sich heute über steigende Geburtsraten freut, muss in sechs Jahren mehr Lehrkräfte ausgebildet haben. Dafür muss das Ausbildungskontingent massiv erhöht werden. Gleichzeitig sollte sich jedes einzelne Bundesland endlich verpflichten, mindestens entsprechend des eigenen Bedarfes auszubilden. Zweitens muss der Lehrerberuf attraktiver gestaltet werden. Dazu gehört nicht nur eine entsprechende Bezahlung, sondern auch die Bereitstellung von Gelingensbedingungen, um Schule in die Lage zu versetzen, das, was die Gesellschaft von ihr fordert, einlösen zu können. Nur so werden junge Menschen zu einem Pädagogik-Studium motiviert.“ ♦