- Von Noelle Aalberts, Kl. 8DN1, Berlin International School, Schmargendorf
Wozu lange lernen, wenn man doch auch schummeln kann? Das jedenfalls scheinen viele Schüler in aller Welt zu denken, die sich auf Klassenarbeiten und Klausuren vorbereiten, indem sie Spickzettel schreiben. Andere denken sich modernere Varianten des Spickens aus. Dadurch versuchen sie, dem Lernen auszuweichen und die mühsame Arbeit des Auswendiglernens von Formeln, Daten oder Vokabeln einem Zettel zu überlassen. Doch hilft Spicken wirklich? Und welcher Spicker ist der beste?
Während einer Klassenarbeit stellt ein Schüler seine Limonadenflasche neben sich auf den Tisch und fängt an, die Fragen zu beantworten. Mit bekannten Physikern scheint er sich bestens auszukennen – sein Füller flitzt nur so über das Papier. In Wahrheit aber schielt er beim Schreiben immer wieder auf die Flasche mit der orangefarbenen Flüssigkeit. Auf dem Etikett steht nichts über die Inhaltsstoffe des Getränks, dafür aber eine ganze Menge über Marie Curie, eine berühmte Wissenschaftlerin, die bei ihren Experimenten zwei bis dahin unbekannte Elemente isolierte: Radium und Polonium.
Doch Tricksen und Schummeln ist riskant. Wer erwischt wird, muss mit konsequenten Strafen rechnen und schlechte Noten einkalkulieren. Trotzdem versuchen es fast alle SchülerInnen und das immer wieder, wie der Schulalltag zeigt. Und das ist offenbar in der ganzen Welt so. Bei Spickzetteln beweisen Schüler überall ein Höchstmaß an Kreativität. Sie erfinden immer wieder neue Wege, um in Prüfungssituationen Spickzettel dabei zu haben. Sie entfalten ihre wahren Talente, indem sie Spickzettel schreiben. Dabei verwenden sie immer wieder neue Techniken und Strategien und experimentieren viel.
Spicken, das kann man auf ganz unterschiedliche Weise. Es gibt die klassischen Zettel: gefaltet, gerollt, geklebt, halbrund, rund, in Sonderbriefmarken-Größe, handgeschrieben, gedruckt oder kopiert. Es gibt gebastelte Spicker, die in Uhren und Brillen versteckt sind, auf Flaschen und Radiergummihüllen. Andere werden in Zigarettenschachteln gesteckt oder auf Stifte gerollt. Natürlich gibt es auch noch ganz viele andere, ungewöhnlichere Ideen. Lebensmittel-Spicker, Kleidungs-Schummelzettel, den.Spick Bierdeckel-Spicker, Spicker auf Linealen, Plakat-Spicker, Taschentuch-Spicker, den Schuhsohlen-Spicker, Taschenrechner-Spicker, Tipp-Ex-Spicker, Schmierblatt-Spicker und Etiketten-Spicker. Es gibt Lehrer, die meinen, dass auch das Schreiben von Spickzetteln eine Form des Lernens ist. Doch wenn es um das Benutzen der Spickzettel geht, liegen die Meinungen von Schülern und Lehrern natürlich weit auseinander…
Neue Spicker-Ideen wird es wohl immer geben. Im Laufe der Zeit haben sich die Schüler dabei auch den neuen Entwicklungen angepasst und höchst komplizierte Techniken für sich entdeckt. Früher schrieben Schüler ausschließlich Zettel, um sie im richtigen Moment hervorzuziehen.
Heutzutage verzichten manche Schüler bereits auf handgeschriebene Zettel und verwenden stattdessen ihre MP3-Player oder sogar Mobiltelefone. Sicher hat jede Schülergeneration neue Ideen, doch kann man nicht sagen, welcher von diesen Schummeltricks wirklich am hilfreichsten ist – oder doch?
Renate Otto, die früher Lehrerin beim Lette-Verein in Schöneberg war, meint dazu: „Ich glaube, dass es auch auf die Lehrer ankommt. Es könnte sein, dass ältere Lehrer sich nicht mit den neuesten Technologien auskennen. Sie würden den MP3-Player oder das Mobiltelefon vielleicht gar nicht als Täuschungsmanöver deuten. Aber nach Zetteln würden sie schon Ausschau halten.“
Auf jeden Fall sind diese beiden elektronischen Spicker-Varianten sehr riskant. Einerseits kann man sehr viele Informationen auf MP3-Playern speichern, mehr als auf Zetteln, doch andererseits kann man Zettel überall verstecken, nicht jedoch einen MP3-Spieler. Und beim Spicken mit dem Player muss man Kopfhörer im Ohr haben, die natürlich schnell entdeckt werden könnten.