Schriftliches Dividieren – an Grundschulen nicht mehr erforderlich?

VLWN kritisiert die Entscheidung und regt Evaluierung mit Option auf Nachbesserung an

Deutschlands Schülerinnen und Schüler hinken im internationalen Bildungsvergleich seit Jahren hinterher. Vor allem in den MINT-Fächern hat die letzte Pisa-Studie hier erschreckende Defizite offenbart. Der aktuelle IQB-Bildungstrend 2024 hat ebenfalls und erneut gezeigt, dass in Deutschland die Leistungen vieler Schülerinnen und Schüler in Mathematik und den Naturwissenschaften deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben. „Angesichts dieser Tatsache beurteilt der VLWN die Entscheidung von Kultusministerin Julia Willie Hamburg, das schriftliche Dividieren in der Grundschule spätestens ab dem Schuljahr 2027/28 abzuschaffen, sehr kritisch. In Zeiten abnehmender Mathematikkompetenzen eine derartige Entscheidung zu treffen, ist mutig“, sagt Ulf Jürgensen, Landesvorsitzender des VLWN.

Das schriftliche Dividieren ist nicht nur eine Rechenmethode, sondern trainiert algorithmisches Denken, Strukturierung von Prozessen und Zahlverständnis. Wird dieses Wissen nur noch rudimentär vermittelt, kann sich das negativ auf den Zahlensinn und die Fähigkeit zur Fehlerkontrolle auswirken. „Wer kein tiefes Verständnis für Division und deren Struktur hat, kann bei komplexeren Aufgaben wie zum Beispiel Brüchen, Prozentrechnung, Verhältnisrechnung schlechter in Prüfungssituationen abschneiden. Langfristig könnte das die mathematische Gesamtleistung in Deutschland weiter schwächen, da Basisfertigkeiten fehlen“, so der Landesvorsitzende.

In vielen Berufsfeldern (z. B. kaufmännische Berufe, Technik, Handwerk) sind sichere Rechenfertigkeiten essenziell. Wenn schriftliche Verfahren nicht mehr gelehrt werden, muss das Zahlverständnis durch andere Methoden gestärkt werden. „Zum Beispiel durch halbschriftliche Verfahren und Zerlegungsstrategien, wie es der Erlass der Kultuspolitik ja vorsehe. Inwieweit damit allerdings das notwendige tiefgreifende Verständnis für das Dividieren erreicht werden könne, werde sich in der Schulpraxis erst noch zeigen müssen. Sonst entstünden Lücken, die später teuer und zeitaufwendig zu schließen seien.

Der VLWN regt an, dass die Auswirkungen der Entscheidung über einen noch zu bestimmenden Zeitraum evaluiert, diskutiert und gegebenenfalls zu Anpassungen führt. „Wir können es uns als Volkswirtschaft nicht erlauben, bei den grundlegenden Kompetenzen in der Mathematik weiter an Boden zu verlieren. Ob der Mut von Frau Ministerin Hamburg von Erfolg gekrönt wird, wird sich erst noch beweisen müssen“, sagt Jürgensen.

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