Innovationsvorhaben BFSdual – Wo soll die Reise hingehen?

Kultusministerin Julia Willie Hamburg verkündete am 20. Februar in einem Brief an die BBS-Schulleitungen in Niedersachsen Änderungen innerhalb des Innovationsvorhabens BFSdual B/F zum 01.08.2026. Dabei handelt es sich nicht um marginale Anpassungen, sondern um gravierende Veränderungen. Es bleibt zu befürchten, dass es sich um eine „Verschlimmbesserung“ handelt.

 

Der VLWN hat bereits 2023 gemeinsam mit BLVN, SLVN und der Direktorenvereinigung eine Stellungnahme formuliert und auch gegenüber dem Kultusministerium vertreten. Dabei haben die Lehrerverbände umfänglich auf die konzeptionellen Schwachstellen hingewiesen. „Bis Ende 2025 wurden diese Hinweise vom Kultusministerium ignoriert und immer mehr BBS wurden in das Innovationsvorhaben BFSdual B/F mit einbezogen. Anfang 2026 haben wir mit den Verbänden erneut eine Stellungnahme entwickelt und unsere Kritik wiederholt“, sagt Ulf Jürgensen, VLWN-Landesvorsitzender.

 

Von den 130 BBS in Niedersachsen nehmen in diesem Schuljahr bereits 60 Schulen an dem Innovationsvorhaben teil. Ca. 15-20 weitere BBS haben die Aufnahme zum 01.08.2026 beantragt. Über 60% der BBS in Niedersachsen haben teilweise seit Jahren erfolgreich an der schulinternen Umsetzung des Innovationsvorhabens gearbeitet. Viele tausend Stunden Arbeitszeit stecken in all diesen Konzepten zur schulinternen Implementierung und Unterrichtsentwicklung!

 

„Über die Jahre sind Beschulungskonzepte entstanden, die die schulische Ausbildung entscheidend verbessert haben (z. B. Verringerung Absentismus und/oder Schulabschlüsse). Daher kann man nicht pauschal sagen, dass es mit BFSdual überall Probleme gab. Damit entwertet man die geleistete Arbeit der vielen hundert Kolleginnen und Kollegen“, sagt Jürgensen

 

Bei Betrieben, Eltern und den jungen Menschen wurde landeweit für das neue Modell geworben. Gerade sind die Anmeldetage für das Schuljahr 2026/27 an den Schulen gelaufen. Die Neujustierung wird in den kommenden Wochen für sehr viel zusätzliche Arbeit, zu Lasten der Lehrkräfte sorgen. Ziel eines Innovationsvorhabens ist es, etwas Neues zu entwickeln und zu erproben, damit es anschließend landesweit ausgerollt werden kann. Während der Laufzeit sind Änderungen möglich, sollten aber gerade vor dem Hintergrund, dass so viele Schulen bereits mit eingebunden sind, rechtzeitig erfolgen.

Ein Blick zurück – ein Blick nach vorne:

„Wir sollten vom Kultusministerium ein verlässliches und rechtssicheres Handeln erwarten können. Es stellt sich daher die Frage, seit wann die Budget- und rechtlichen Probleme hausintern bekannt waren. Sollten die Probleme bereits länger bekannt sein, stelle ich mir die Frage, warum nicht rechtzeitig darauf reagiert wurde. Ich begrüße es ausdrücklich, wenn die Ministerin eine Entscheidung trifft. Allerdings sollten Entscheidungen stets nachvollziehbar und transparent begründet werden. Die gewählte Formulierung ‚Auf Basis der Rückmeldungen ergeben sich notwendige konzeptionelle Anpassungen‘ ist ein Schlag ins Gesicht der Kolleginnen und Kollegen an den BBS, die ganz hervorragende Erfahrungen mit dem Innovationsvorhaben BFSdual B/F gesammelt haben. So ‚holt‘ man die Kolleginnen und Kollegen nicht ab und man motiviert sie auch nicht zur Weiterarbeit an dem Thema“, sagt Jürgensen.

 

An 130 BBS in Niedersachsen wird richtig gut gearbeitet. Dies wird in Politik, der Wirtschaft, bei den Kammern und Innungen den Erziehungsberechtigen und den jungen Menschen so auch wahrgenommen. Daher könnte der Imageschaden für die BBS groß sein, wenn nicht rasch durch das MK nachgesteuert wird. Leider liegen den Berufsbildnern bislang auch keine Informationen zur weiteren Ausgestaltung des Innovationsvorhaben vor (z. B. Laufzeit, Meilensteine und Ablaufplanung).

 

„Wir erwarten außerdem vom Kultusministerium eine umfängliche Unterstützung der beteiligten BBS. Denn nur wenn an den BBS Klarheit darüber besteht, wo die Reise nun hingehen soll, können wir dies auch gegenüber unseren zukünftigen SuS, den Erziehungsberechtigten und den Betrieben kommunizieren. Die für diese Woche zugesicherten Unterlagen (Durchführungsbestimmungen) liegen immer noch nicht vor. Um das verlorene Vertrauen der Kolleginnen und Kollegen zurückzugewinnen, muss das MK liefern und die Verantwortung übernehmen. Worte allein reichen dabei nicht!“, so Jürgensen.

Ulf Jürgensen

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