KI an Schulen: Telli ist ein richtiger Schritt – jetzt muss die Umsetzung folgen

Mit der Einführung von Telli geht Niedersachsen einen wichtigen und längst überfälligen Schritt in Richtung einer datenschutzkonformen KI-Nutzung im schulischen Kontext. Aus Sicht des VLWN ist klar:

Der Weg weg von kommerziellen Einzelanbietern hin zu einer landeseigenen Lösung ist richtig – und konsequent weiterzugehen.

Damit wird erstmals die Grundlage geschaffen, KI systematisch und rechtssicher in Schule zu integrieren. Das ist ein Signal – auch an Lehrkräfte, die in den vergangenen Jahren häufig auf eigene Lösungen zurückgreifen mussten.

Gleichzeitig zeigt sich jedoch:

Der erste Schritt ist gemacht – aber er bleibt in der aktuellen Umsetzung noch deutlich hinter den Möglichkeiten zurück.

 

1. Zugang für Lernende: KI darf kein „Lehrkraft-Feature“ bleiben

Aktuell ist Telli ausschließlich über die NBC erreichbar.

Für viele berufsbildende Schulen stellt dies eine erhebliche Hürde dar, da im Alltag überwiegend mit Moodle gearbeitet wird.

Die Folge:

Der Zugriff auf Telli erfolgt in der Praxis meist nur über die Lehrkraft – punktuell, vorbereitet und zeitlich begrenzt.

Das ist aus unserer Sicht nicht zielführend.

KI ist kein Werkzeug für gelegentliche Unterrichtsszenarien – sie ist ein Lernwerkzeug für den Alltag.

Wenn wir digitale Souveränität ernst nehmen, müssen auch Schülerinnen und Schüler dauerhaft und eigenständig Zugang erhalten.

👉 Unsere Forderung:

  • Direkter, dauerhafter Zugang zu Telli für alle Lernenden
  • Integration in bestehende Lernplattformen (insbesondere Moodle)
  • Weg vom „Lehrkraft-gesteuerten Zugriff“ hin zu echter Lernendenorientierung

 

2. Single Sign-on: Lösungen existieren längst

Dass eine solche Integration möglich ist, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Bayern:

An der Staatlichen Berufsschule III Bamberg haben Lernende bereits seit Monaten direkten Zugriff auf eine Telli-basierte Lösung – integriert in Moodle und ohne zusätzliche Login-Hürden. Dies wurde uns vor zwei Wochen bei unserer Kooperationspartner in Bamberg vorgeführt – Niedersachsen muss diesen Schritt noch gehen.

Single Sign-on ist keine Vision – sondern gelebte Praxis.

Nach Einschätzung unserer Verbandskollegen und Informatiklehrkräfte Christian Morische und Pascal Ströhlein ist der technische Aufwand hierfür überschaubar.

Der Mehrwert hingegen ist enorm:

  • niedrigschwelliger Zugang
  • höhere Nutzungsfrequenz
  • echte Verankerung im Lernprozess

👉 Unsere Forderung:

  • Umsetzung eines landesweiten Single Sign-on für Telli
  • Priorisierung der Integration in bestehende Systeme statt Aufbau paralleler Strukturen

 

3. API-Zugänge: Innovation ermöglichen statt ausbremsen

In den vergangenen Jahren haben viele Schulen eigene, hochinnovative KI-Lösungen entwickelt.

Diese gehen häufig weit über klassische Chat-Oberflächen hinaus.

Ein Beispiel ist der kontextsensitive Chatbot von Jörg Tuttas, der bereits an vielen Schulen erfolgreich eingesetzt wird und eindrucksvoll zeigt, welches Potenzial in schulnah entwickelten Lösungen steckt.

Das Problem:

Diese Anwendungen benötigen API-Zugänge zu Sprachmodellen – und werden aktuell oft privat von Lehrkräften finanziert.

Das ist aus unserer Sicht ein absolutes No-Go und führt zu einer unkontrollierbaren Schatten-IT.

👉 Unsere Forderung:

  • Bereitstellung offizieller Telli-API-Zugänge für Schulen
  • Damit einhergehende Unterstützung und Absicherung bestehender schulischer Lösungen und Sicherung von Werkzeugen in die viele Stunden Arbeit von Kolleginnen und Kollegen geflossen sind.

Denn:

Innovation entsteht vor Ort – nicht in zentralen Systemen allein.

 

Fazit: Der richtige Weg – jetzt konsequent weitergehen

Mit Telli hat Niedersachsen den Einstieg in eine souveräne, datenschutzkonforme KI-Nutzung geschafft.

Doch entscheidend ist nun die nächste Phase:

Von der Bereitstellung zur echten Integration.

Wenn KI ihr Potenzial entfalten soll, braucht es:

  • einfachen Zugang,
  • systemische Einbindung
  • und Vertrauen in die Innovationskraft der Schulen.

Der VLWN wird diesen Prozess konstruktiv begleiten – und dort, wo es notwendig ist, weiterhin klar Position beziehen.

Denn eines ist klar:

Die Schule der Zukunft entsteht nicht durch Tools allein – sondern durch kluge Rahmenbedingungen für deren Nutzung.

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