Ein Test macht noch keine Förderung

„Neue Verfahren sind nur dann sinnvoll, wenn festgestellte Unterstützungsbedarfe in konkrete Förderung münden, die Beschäftigten frühzeitig einbezogen werden und die notwendigen Ressourcen zur Verfügung stehen“, betonten Simone Fleischmann, stellvertretende Bundesvorsitzende des dbb und des Verbandes Bildung und Erziehung sowie Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands und Vorsitzende der dbb Fachkommission Schule, Bildung und Wissenschaft, am 30. Juni 2026. Nur wenn die Expertise der Beschäftigten von Anfang an einbezogen werde, können Erhebungen zu konkreter Förderung und besseren Bildungschancen beitragen. 

Sprache früh stärken

„Wir brauchen ein Bildungssystem, das Unterstützungsbedarfe früh erkennt und dann auch handelt“, forderte Fleischmann. Denn die ersten Lebensjahre seien entscheidend für die spätere Bildungsbiografie. „Wer Sprache früh stärkt, schafft bessere Voraussetzungen für Lernen, Lesen, Schreiben und gesellschaftliche Teilhabe“, so die dbb-Vize. Aber testen allein fördere kein Kind. Deshalb dürfe eine Erhebung bei Vierjährigen nicht isoliert betrachtet werden, sondern müsse in eine frühe, kontinuierliche und möglichst alltagsintegrierte Förderung eingebettet sein. „Dafür brauchen die Einrichtungen ausreichend Fachkräfte, verlässliche Zeitbudgets und Verfahren, die in der Praxis tatsächlich umsetzbar sind.“ 

Die Beschäftigten in der frühkindlichen Bildung leisten schon heute jeden Tag sprachliche Bildung, Entwicklungsbegleitung und Elternarbeit, machte Fleischmann deutlich: „Sprachförderung beginnt nicht erst mit einer Erhebung. Sie ist bereits Teil des pädagogischen Alltags. Neue Verfahren müssen diese Arbeit fachlich unterstützen, verlässlich in Fördermaßnahmen übersetzbar sein und dürfen nicht zu zusätzlichen Aufgaben in einem ohnehin angespannten System werden.“ 

Pädagogischer Nutzen ist entscheidend

Susanne Lin-Klitzing ergänzte mit Blick auf die Schulen. „Auch für die Schul- und Unterrichtsentwicklung gilt, dass nicht die Menge der erhobenen Daten entscheidend ist, sondern ihr pädagogischer Nutzen.“ Voraussetzung seien aber eine kluge Steuerung und klare Entscheidungen darüber, welche pädagogischen Ziele verfolgt werden, welchen Mehrwert die Datennutzung im Unterricht hat und welche Aufgaben dafür an anderer Stelle entfallen. 

„Daten müssen die pädagogische Arbeit der Lehrkräfte konkret unterstützen“, stellte Lin-Klitzing klar. „Lehrkräfte arbeiten bereits heute mit vielen Rückmeldungen und Beobachtungen.“ Entscheidend sei, dass daraus rechtzeitig eine konkrete Unterstützung für Schülerinnen und Schüler entstehe. Datenbezogene Erkenntnisse müssen Förderung im Unterricht ermöglichen, statt bloß nachträgliche Analysen zu liefern. „Zudem dürfen datenbezogene Erkenntnisse nicht in Kontroll-, Ranking- oder Rechtfertigungslogiken kippen”, mahnt Lin-Klitzing.

 

Hintergrund:

Der dbb hat Positionspapiere zur datengestützten Schul- und Unterrichtsentwicklung sowie zur Erhebung und Förderung des Sprach- und Entwicklungsstands vierjähriger Kinder beschlossen.

 

Foto von RDNE Stock project von Pexels: https://www.pexels.com/de-de/foto/papier-text-brett-worter-8363571/

Datum: 30. Juni 2026
Autor: Torben

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