Der niedersächssiche Philologentag in Goslar geht in einer Jahresbilanz von einer deutlichen Habenpoistion aus. Das Ergebnis der Personalratsarbeit hat die Verbandspolitik deutlich gestärkt und gewürdigt. Für den Vorsitzenden Horst Audritz ist das Wahlergebnis und auch die konstant hohe Zahl an Eltern, die ihre Kinder auf das Gymnasium schicken ein deutlicher Grandmesser für die Aktivitäten des Philologenverbandes Niedersachsen.
Sowohl in seiner Rede bei der Vorabendveranstaltung, wie auch bei seiner 50-minutigen Begrüßungsrede ging Horst Audritz mit der Bildungspolitik der Landesregierung, speziell unserer Kultusministerin hart ins Gericht. Frau Ministerin Heiligenstadt, die nur in einem 10-minutigen Grußwort eine geringe Chance zur “Gegenwehr” hatte, musste sich einiges anhören. Von der Bildungsinflation der Gymnasiasten, als Folge eine falschen OECD Politik, über die aufgezwungene Inklusion und die zunehmenden Bürokratisierung – entgegen der Zusage des Ministerpräsidenten – bis zur Unterrichtsverpflichtung und Altersermäßigung spannte er seinen Bogen, der immer wieder mit der Feststellung verbunden war: “So kann es nicht weitergehen …” Horst Audritz hat in seiner Rede viele Punkte angesprochen, die auch uns auf dem herzen leigen. Kompliment für eine Rede, die in der Sache und im Ton angemessen, ja treffend war.
Der Festvortrag von Professor Dr. Jürgen Rekus musste leider verlesen werden, da der Referent kurzfristig erkrankt war. “Die Folgen der Kompetenzorientierung für die gymnasiale Bildung” ist eine Themenstellung die man durchaus kritisch und konträr betrachten kann. Thesen wie: “Mit Powerpoint präsentieren können, aber die Leistung nicht mehr auf den Punkt bringen können …” – “Träges Wissen – Nice to know – aus der OECD Betrachtung” “Kompetenzlyrick” – “Pragmatismus versus Wissenschaftsorientierung” – “Anwendungsbezogenes Verbiegen der Realität” – ging Professor Rekus mit der Kompetenzorientierung hart in Gericht. Dabei unterschied er deutlich zwischen den Anforderungen im Gymnasium und in anderen Schulformen. ür ihn ist die Ausbildungs zum Heizungsbauer paxisbezogen und die Ausbildung zum Ingenieur wissenschaftsorientiert.
Die Erkenntnis, dass das Gymnasium eine spezielle Schulform ist, die primär auf ein wissenschaftliches Studium vorbereitet, muss zu einer deutlichen Abgrenzung zu anderen Schulformen führen. Wenn wir die berufliche Bildung als speziell und komplex ansehen und eine individelle Behandlung erwarten, dann gilt dies sicher auch für die gymnasiale Bildung. Die Zahl der Eltern, die sich für diese Schulform entscheiden, sind ein nicht unerhebnlciher Faktor. Horst Audritz hat es in seiner Rede eingefordert, sinngemäß führte er aus: Wir haben für unser Gymnasium eine klare Definition und Aufgabenstellung, die sich stringent am Schulgesetz orientiert. Wenn alle anderen Schulformen eine ebenso klare und gesellschaftlich akzeptierte Definition und Aufgabenstellung haben, dann eine zukunftsweisede und differenzierte Bildungslandschaft.
Fazit: Es war mein erster Besuch auf dem Philologentag in Goslar; es gab einige interessante Erkenntnisse für mich.
Philologen sind anders als wir, aber auch für sie steht der Schüler im Mittelpunkt. Wenn wir besondere Rahmenbedingungen brauchen, dann gilt das auch für andere Schulformen, wie z.B. die Gymnasien. Was wir brauchen ist die Kommunikation über die Übergänge, keine Abgrenzung sondern einsinvolles Miteinander.