Vergisst die Politik die berufliche Bildung?

VLWN warnt: Eklatanter Lehrkräftemangel und deutlich steigende Schülerzahlen an BBS

 

Es ist schon bezeichnend. Wann immer das niedersächsische Kultusministerium sich zur aktuellen Unterrichtsversorgung an den Schulen äußert, bleiben die berufsbildenden Schulen unerwähnt. Dabei ist der Lehrermangel an den 130 berufsbildenden Schulen (BBS) im Land eklatant. Die Unterrichtsversorgung liegt seit Jahren bei gerade einmal 90,7 Prozent. Das bedroht zunehmend die Ausbildungsqualität, weil immer mehr Schulstunden ausfallen müssen. Und: Die Situation verschärft sich weiter. Nicht nur wegen der demografischen Entwicklung und der damit einhergehenden Pensionierungswelle.

 

Denn in den nächsten Jahren werden die Schülerzahler an den BBS deutlich steigen. Vor allem in den Berufseinstiegsklassen erwartet die Politik durch Zuwanderung einen landesweiten Aufwuchs. Darauf hatte auch schon der Berufsbildungsbericht 2025 hingewiesen. „Ohne die beruflichen Schulen personell und finanziell entsprechend auszustatten, ist das nicht mehr zu stemmen. Wir arbeiten längst am Limit“, sagt Ulf Jürgensen, VLWN-Landesvorsitzender.

 

Das jüngst vorgestellte Maßnahmenpaket von Kultusministerin Julia Wille Hamburg, mit dem die Unterrichtsversorgung primär bei den allgemeinbildenden Schulen verbessert werden soll, begrüßt der VLWN grundsätzlich. Zeige es doch, dass Politik auch zuhören und agieren könne. Das sei positiv. „Erschreckend indes ist, dass die beruflichen Schulen einmal mehr unberücksichtigt bleiben. Schon seit Jahren fehlen jährlich viele neue Lehrkräfte an den BBS, blutet das chronisch unterversorgte System mit Blick auf die Pensionierungswelle zunehmend aus, ohne dass die Politik die strukturellen Probleme der Berufsbildner angeht“, sagt Jürgensen.

 

Die Politik hat es seit Jahren versäumt, hier gegenzusteuern. Statt den Berufsschullehrerberuf aufzuwerten und attraktiver zu machen, werden die Ausbildungskapazitäten an den Universitäten heruntergefahren. Dabei ist Bildung das zentrale gesellschaftliche Thema. Denn die größte Gefahr für Deutschlands Zukunft sind Probleme im Bildungssystem und hier primär der Lehrkräftemangel. Das sagen 90 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in der jüngsten Forsa-Umfrage „Aktuelle Gefährdungslage für Deutschland“. Damit rangiert das Thema Bildung bei der Bevölkerung noch vor der Angst um militärische Auseinandersetzungen.

 

Und welche konkreten Ideen kommen aus dem Kultusministerium, um den Fachkräftemangel an Schulen ein- zudämmen? Der VLWN hatte bereits 2025 die Erhöhung der Referendarvergütung vorgeschlagen. Eine berufliche Bildung auf hohem Niveau, wie sie derzeit in Niedersachsen angeboten wird, kann nur aufrechterhalten werden, wenn es die entsprechenden sachlichen und finanziellen Ressourcen gibt. Der VLWN ist gerne bereit, immer wieder daran zu erinnern.

 

Datum: 29. Januar 2026
Autor: @buero

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