Wie lassen sich Bildungsqualität und Bildungsgerechtigkeit verbessern, damit junge Menschen gut in ihre Zukunft starten können? Darüber diskutierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gewerkschaften bei der Bildungskonferenz von BDA und DGB am 22. September 2026 in Berlin. Für den VLWN nahm Annette Hermes teil und betrachtete die hochkarätigen Diskussionen aus der Perspektive der berufsbildenden Schulen.
BDA-Präsident Dr. Rainer Dulger brachte eine zentrale Verantwortung des Staates auf den Punkt: Wenn von jedem Kind der Schulbesuch verlangt werde, müsse zugleich sichergestellt sein, dass es dort auch das lernt, was es für sein weiteres Leben braucht. Bundesbildungsministerin Karin Prien bezeichnete Bildung als entscheidende Frage sozialer Gerechtigkeit und forderte messbare Fortschritte innerhalb der kommenden Jahre.
Ein wiederkehrender Kritikpunkt war die Vielzahl befristeter Programme. Bildungspolitik brauche nicht immer neue Einzelprojekte, sondern klare Zuständigkeiten, langfristige Konzepte und verlässliche Ressourcen. Auch die Kommunen müssten stärker einbezogen werden, weil sie vor Ort wesentliche Verantwortung tragen.
Wie eine stärker ziel- und datengestützte Bildungssteuerung aussehen kann, erläuterte der Bremer Kinder- und Bildungssenator Mark Rackles, der auf der Konferenz für die Bildungsministerkonferenz sprach. Bremen hat eine Qualitätsoffensive mit konkreten Maßnahmen und klaren Zielgrößen gestartet. Bis 2031 sollen messbare Fortschritte erreicht werden; Zwischenergebnisse sollen mindestens halbjährlich veröffentlicht werden. Damit verbindet Bremen bildungspolitische Vorhaben mit einem regelmäßigen Controlling.
Begleitend zur Konferenz legten BDA und DGB ein gemeinsames Impulspapier vor. Darin fordern sie unter anderem verbindliche Bildungsziele, eine systematische Erfolgskontrolle, bessere Basiskompetenzen sowie eine frühzeitige und stärkenorientierte berufliche Orientierung.
So wurde die Bedeutung des dualen Systems von allen Seiten hervorgehoben. Die duale Ausbildung als klares Aufstiegsversprechen müsse wieder stärker in die allgemeinbildenden Schulen und an die Eltern herangetragen werden. Unternehmensvertreter berichteten auf dem Podium und in Gesprächen am Rande der Konferenz, dass Betriebe bei Auszubildenden zunehmend grundlegende Kenntnisse nachholen müssten. Eine erfolgreiche Ausbildung setzt deshalb verlässlich vermittelte Basiskompetenzen voraus.
Auch die Berufsbilder müssen schneller an neue Anforderungen angepasst werden. Nach Aussage der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Elke Hannack dauere eine Neuordnung nicht länger als drei Jahre. Zusatzqualifikationen könnten zudem technische und fachliche Veränderungen kurzfristiger in die Ausbildung aufnehmen. Eine Abkehr vom Modell der Berufsbilder sei deshalb nicht erforderlich. Dr. Garbade, Präsidentin des BIBB, teilte diese Auffassung.
Aus Sicht des VLWN reicht es allerdings nicht, das duale System zu loben. Berufliche Schulen werden bildungspolitisch noch immer zu häufig wie ein Stiefkind behandelt. Wer Fachkräfte sichern will, muss Schulen modern ausstatten, ausreichend Lehrkräfte gewinnen und diese ihrer Qualifikation und Verantwortung entsprechend bezahlen. Auch attraktive Arbeitsbedingungen und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten gehören dazu.
Künstliche Intelligenz war ein weiterer Schwerpunkt. Junge Menschen sollen KI kompetent, kritisch und verantwortungsvoll nutzen können. Dafür braucht es klare rechtliche Rahmenbedingungen, geeignete Lernangebote, Fortbildungen und eine leistungsfähige digitale Infrastruktur. KI kann Lernprozesse unterstützen – qualifizierte Lehrkräfte kann sie nicht ersetzen. Dr. Oliver Nahm vom Bundesinstitut für Berufsbildung verwies auf das Potenzial digitaler Lernbots. Nach seiner Darstellung könnten entsprechende adaptive Lernangebote zusätzliche Lernfortschritte ermöglichen, die umgerechnet etwa zwei bis drei Lernmonaten pro Schuljahr entsprechen.
Die Konferenz hat wichtige Probleme benannt. Entscheidend ist nun, ob daraus verlässliche Maßnahmen folgen. Für den VLWN bleibt der Maßstab klar: Berufliche Bildung darf nicht nur in Podiumsdiskussionen aufgewertet werden. Die Verbesserung muss in den beruflichen Schulen tatsächlich ankommen.