Junge Studierende mit Molekülmodell im Wissenschaftslabor.

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Bildung neu denken – VLWN-Kommentar zum IQB-Bildungstrend 2024

Weg von der Feuerzangenbowle, hin zu Lernlust und Zukunftskompetenz

 

Der aktuelle IQB-Bildungstrend 2024 zeigt erneut, dass in Deutschland die Leistungen vieler Schülerinnen und Schüler in Mathematik und den Naturwissenschaften deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben. „Niedersachsen steht hier im Bundestrend – mit denselben strukturellen Herausforderungen wie die meisten anderen Bundesländer: sinkende Basiskompetenzen, abnehmende Motivation, Lehrkräftemangel und eine hohe soziale Selektivität“, sagt Joachim Maiß, VLWN-Vorsitzender.

Die Analyse des MK ist richtig, aber nicht ausreichend

Das Niedersächsische Kultusministerium benennt wichtige Handlungsfelder – von der Stärkung der Grundbildung über neue Kerncurricula bis zur Digitalisierung und zur Förderung von Chancengleichheit. „Diese Schritte gehen in die richtige Richtung, greifen aber zu kurz, wenn Schule grundsätzlich so bleibt, wie sie ist. Drei Stunden mehr Unterricht lösen das Problem nicht. Denn das eigentliche Problem ist nicht nur, was unterrichtet wird, sondern wie wir lehren und lernen. Die Schule des 21. Jahrhunderts braucht mehr als neue Programme – sie braucht einen Systemwandel“, sagt Maiß.

Weg von der Feuerzangenbowle – hin zu einer neuen Lernkultur

Das klassische Schulmodell – frontal, fachzentriert, mit starren Stundenplänen – stamme im Kern noch aus der Zeit der Feuerzangenbowle und damit aus den 30er Jahren des vorherigen Jahrhunderts. „Es motiviert weder Jugendliche noch fördert es Kompetenzen, die in einer vernetzten, digitalen und dynamischen Welt gebraucht werden“, sagt Maiß.

Beispielhaft zeigen Schulen wie die Alemannenschule Wutöschingen, wie Lernen heute aussehen kann:

  • selbstorganisiert, projektorientiert und teambasiert,
  • mit individueller Lernbegleitung statt Gleichschritt,
  • mit echter Verantwortung und Partizipation der Lernenden,
  • mit digitalen Werkzeugen, die Lernen sichtbar und flexibel machen.

„Solche Lernumgebungen fördern Basiskompetenzen UND Begeisterung – sie verbinden Wissen mit Handlungsfähigkeit, Selbstwirksamkeit und Kreativität. Das ist genau das, was unsere Gesellschaft und Wirtschaft heute brauchen“, sagt Maiß.

 

 

Berufsbildung als Vorbild

Die berufsbildenden Schulen in Niedersachsen erleben täglich, dass viele Jugendliche mit Defiziten in Lesen, Rechnen und Problemlösen ankommen. Hier knüpfen die Berufsbildner mit dem Lernfeldkonzept an, bei dem Theorie mit konkreten praxisbezogenen Anwendungen verknüpft wird. Doch ebenso deutlich wird: Wenn Lernen praktisch, anwendungsorientiert und sinnhaft gestaltet ist, wächst Motivation und Leistung.

Deshalb braucht es:

  • mehr projektorientiertes, fächerübergreifendes Lernen,
  • stärkere MINT-Förderung durch Praxisbezug,
  • und strukturelle Kooperationen zwischen allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen.

„Nur wenn Schülerinnen und Schüler Freude am Lernen entwickeln, werden wir zukünftig jene Fachkräfte haben, die Wirtschaft und Gesellschaft dringend brauchen“, sagt Maiß.

Der VLWN fordert daher:

  1. Ein Umdenken in der Lernkultur – weg von Belehrung, hin zu Begleitung. Schulen müssen Lernorte werden, die Eigenständigkeit, Kreativität und Zusammenarbeit fördern.
  2. Investitionen in moderne Lernräume und multiprofessionelle Teams, die individualisiertes Lernen ermöglichen.
  3. Stärkung der Berufsorientierung und MINT-Bildung – nicht als Zusatz, sondern als integraler Bestandteil allgemeiner Bildung.
  4. Sicherung der Basiskompetenzen als Grundlage für selbstbestimmtes Lernen und berufliche Handlungsfähigkeit.
  5. Lehrkräfte stärken – durch Zeit, Weiterbildung und professionelle Unterstützung, um neue Lernformen nachhaltig umzusetzen.

Der IQB-Bildungstrend 2024 ist kein Zufall, sondern das Symptom eines überholten Systems. Wenn wir Bildungserfolg, Motivation und Zukunftskompetenz ernst nehmen, brauchen wir mehr als Korrekturen im Detail. Wir brauchen eine neue Schule für eine neue Zeit – eine, die nicht mehr an die Feuerzangenbowle erinnert, sondern an die Alemannenschule Wutöschingen: eine Schule, die Kinder stark macht, sie begeistert und sie auf eine sich wandelnde Welt vorbereitet.

Datum: 30. Oktober 2025
Autor: @buero

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