Hochschulen: Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessern

Die Beschäftigungsverhältnisse des wissenschaftlichen Personals an Hochschulen sind durch ihre hohe Befristungsquote gekennzeichnet. Befristete Arbeitsverhältnisse bedeuten für die Betroffenen oft Unsicherheit, Abhängigkeitsverhältnisse und eine erschwerte Lebensplanung. Die lang umstrittene Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes wird nun im Bundestag beraten. „Der Gesetzesentwurf hält in vielen Punkten Verbesserungen bereit. Es sind jedoch entscheidende Änderungen notwendig, damit das Gesetz die aktuellen Beschäftigungsbedingungen in der Wissenschaft nicht verschlimmbessert“, kritisierte der dbb Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach am 16. Oktober 2024 vor der Beratung des Gesetzentwurfs im Deutschen Bundestag.

Bisher war es den wissenschaftlich Beschäftigten nicht gestattet, ihre Arbeitsbedingungen durch tarifvertragliche Vereinbarungen zu verbessern. Der Gesetzesentwurf sieht nun verstärkte Mitbestimmungsmöglichkeiten für die Tarifvertragspartner vor, was jedoch zuletzt vom Bundesrat kritisiert wurde. „Die Tarifautonomie ist ein hohes Gut und Grundrecht – dafür stehen wir als gewerkschaftliche Spitzenorganisation. Die Ausweitung der Tariföffnungsklausel ist dringend notwendig. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen das Recht haben, ihre Vertragsbedingungen selbst aushandeln zu dürfen, so Silberbach.

Entscheidend für den Erfolg des Gesetzes sei aber vor allem eine nachhaltige Finanzierung unserer Hochschulen und damit die Schaffung von mehr Dauerstellen. „Mit dem Gesetzesvorhaben besteht die Chance, die Beschäftigungsbedingungen an unseren Hochschulen nachhaltig zu verbessern und den Wissenschaftsstandort Deutschland zu stärken. Doch die Politik muss sich ehrlich machen: Dafür braucht es eine Abkehr vom derzeitigen Sparkurs und entschlossene Investitionen in unsere Zukunft“, appellierte Silberbach.

Hintergrund:

Das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) regelt die Befristung von Beschäftigungsverhältnissen für wissenschaftliches und künstlerisches Personal an staatlichen Hochschulen. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, das WissZeitVG auf Basis einer Evaluation zu reformieren. Dabei sollte die Planbarkeit und Verbindlichkeit in der Post-Doc-Phase deutlich erhöht werden und frühzeitiger Perspektiven für alternative Karrieren schaffen. Darüber hinaus hat sich die Bundesregierung vorgenommen, mehr Dauerstellen für Daueraufgaben in der Wissenschaft zu schaffen. Der dbb hat sich bereits mit seiner Stellungnahme von 2023 im Diskurs positioniert und konkrete Vorschläge eingebracht.

Datum: 16. Oktober 2024
Autor: Torben

Diesen Beitrag teilen

E-Mail
Drucken
Facebook
Twitter

Letzte Beiträge

Geyer begrüßt Fortschritte bei der Staatsmodernisierung

„Die Dienstleistungen der Verwaltung müssen einfach und unkompliziert funktionieren, das erwarten die Bürgerinnen und Bürger, aber nicht zuletzt auch die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes“, sagte Volker Geyer, Bundesvorsitzender des dbb, bei einem Treffen mit dem Vorsitzenden der AG Staatsmodernisierung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Ralph Brinkhaus, MdB, am 26. Juni 2026 in Berlin. Bereits am Vortag hatte sich die Ministerpräsidentenkonferenz

Weiterlesen »

Geyer: öffentlichen Dienst endlich nachhaltig stärken

Täglich müssen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes Anfeindungen, Beleidigungen und schlimmstenfalls Gewalt erdulden. „Wir erleben eine Verrohung des Umgangs und immer mehr Angriffe auf Menschen, die sich für unsere Demokratie und unseren Staat einsetzen“, sagte Volker Geyer, Bundesvorsitzender des dbb, auf dem Thüringer Abend des tbb beamtenbund und tarifunion thüringen in Erfurt am 25. Juni 2026. „Man kann

Weiterlesen »

Gemeinsam den Rechtsstaat stärken

„Für die Funktionsfähigkeit des Rechtsstaates in Deutschland ist eine aufgabengerechte Personalausstattung in allen Bereichen der Justiz dringend erforderlich“, machte der stv. dbb-Bundesvorsitzende und Fachvorstand Beamtenpolitik des dbb, Heini Schmitt, in dem Gespräch am 25. Juni 2026 deutlich. „Die Politik muss den Rechtsstaat stärken. Schließlich ist er das Rückgrat unserer Demokratie.“ Der Austausch fand gemeinsam mit Vertretern der

Weiterlesen »

Loading...