Nachwuchs-Lehrkräfte dringend gesucht!

 

Auch an den berufsbildenden Schulen sind Nachwuchs-Lehrkräfte dringend gesucht

Bereits seit Wochen wird fast täglich sowohl regional wie auch überregional in Presse, Rundfunk und Fernsehen über den sich immer deutlicher abzeichnenden Lehrermangel an den Schulen in Deutschland berichtet. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, ging in einem Interview soweit, dass er für das gerade begonnene Schuljahr 2018/2019 an allen Schulen in Deutschland „einen geordneten Schulbetrieb“ anzweifelte. Und der Fraktionsvorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, sprach sogar von der Gefahr unseres Landes,„langsam in einen Bildungsnotstand hineinzulaufen”.

Auch in Niedersachsen ist die Situation der Unterrichtsversorgung mehr als kritisch – und das nicht nur an den allgemeinbildenden Schulen, sondern insbesondere an den berufsbildenden Schulen, an denen bereits seit vielen Jahren eine fast chronisch schlechte Unterrichtsversorgung zu konstatieren ist, die an der Mehrzahl der BBSen nur knapp die 90-Prozent-Marke erreicht, an vielen sogar noch deutlich darunter liegt.

Der Grund für diese schwerwiegenden und alarmierenden Feststellungen ist dem nicht mehr zu leugnenden Mangel an jungen Nachwuchslehrkräften geschuldet. Belege hierfür finden sich u. a. auch im „Bildungsbericht für Deutschland 2018“, den die Autorengruppe Bildungsberichterstattung zusammen mit KMK und BMBF im Juni d. J. vorgestellt hat.

Auch wenn der Schulbetrieb an den niedersächsischen berufsbildenden Schulen noch immer in zumindest weitgehend/in einigermaßen geordneten Strukturen stattfindet, hat der bereits seit längerem bestehende Lehrermangel an vielen Schulen zu Unterrichtseinschränkungen geführt. Es sind vor allem die Fachrichtungen Maschinenbau, Elektrotechnik, Informationstechnologie, Bautechnik oder Wirtschaft und Verwaltung, die in besonderem Maße unter dem Nachwuchsmangel leiden. Ursachen für diese Situation sind zunächst die individuellen Entscheidungen der angehenden Studentinnen und Studenten. Diese sind aber wiederum beeinflusst von dem Image, das das Lehramt an beruflichen Schulen genießt, wie auch von den Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen, die an den beruflichen Schulen gelten. Sie sind offensichtlich nicht so attraktiv, dass sich eine hinreichend große Anzahl von jungen Menschen mit einer Hochschulzugangsberechtigung für diesen relativ langen Bildungsweg entscheidet, der neben dem nicht wenig anspruchsvollen Bachelor- und Master-Studium ein betriebliches Berufspraktikum bzw. eine Berufsausbildung und ein eineinhalbjähriges Referendariat umfasst. Das bedeutet, dass die jungen Menschen selbst unter den Bedingungen von G8 frühestens erst in der zweiten Hälfte ihres dritten Lebensjahrzehnts ihre Existenzsicherung selbständig übernehmen können.

Dieser für die beruflichen Schulen und die Berufsbildung insgesamt auf lange Sicht gefährlich werdenden schwierigen Nachwuchssituation versucht man dadurch Rechnung zu tragen, indem man zur Deckung des Lehrkräftebedarfs Seiten- und Quereinsteiger aus der Wirtschaft, für den Schuldienst anwirbt. Bei solchen Maßnahmen sollte man aber immer auch die mit ihnen verbunden etwaigen (unerwünschten) Nebeneffekte bedenken: Welche – um es vorsichtig auszudrücken – motivationshemmenden und gleichzeitig irritierende Signale gehen von einem derartigen Vorgehen auf die Studierenden in den grundständigen Studiengängen für die Lehrämter an berufsbildenden Schulen aus und welche Wertschätzung seitens des Dienstherrn dokumentiert sich darin gegenüber einer grundständigen Qualifizierung?

Damit auch zukünftig der national und international überaus geschätzte hohe Qualitätsstandard der deutschen Berufsbildung sichergestellt werden kann, fordern BLVN und VLWN das Niedersächsische Kultusministerium auf, die Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen der Lehrkräfte an den berufsbildenden Schulen deutlich zu verbessern. Dies bedeutet vor allem:

  • Umfassende Fort- und Weiterbildung sowie Entlastung der Lehrkräfte für ihre neuen und zusätzlichen Aufgaben, wie Digitalisierung, Integration und Inklusion;
  • Verbesserung der Besoldung und der Aufstiegsmöglichkeiten (Veränderung des Stellenkegels);
  • Imagekampagnen des Ministeriums zur Steigerung der gesellschaftlichen Reputation der beruflichen Bildung der der Berufsbildner.
  • Zulassung von Bewerbern als Seiten- und Quereinsteiger, die ergänzend zu einem bereits erfolgreich durchlaufenen einschlägigen fachwissenschaftlichen Studium auf Masterniveau das Studium eines schulischen Zweitfaches, eine berufs- und wirtschaftspädagogische sowie eine dem Referendariat vergleichbare berufspraktische Qualifizierung nachweisen; denn nur eine umfassend qualifizierte Lehrkraft kann eine erfolgreiche Lehrkraft sein.

Bei aller praktischen Gebotenheit von „Notkonzepten“, um einen „Bildungsnotstand“ abzuwenden, ist hier festzuhalten: Der bessere Weg ist die grundständige Lehrerbildung in ihrer nach beruflichen Fachrichtungen ausdifferenzierten Form. Aber dieser wird nur dann zielführend sein, wenn die beruflichen Lehrämter entsprechend attraktiv sind. Wird das aber erreicht, dann werden sich junge Menschen auch vermehrt für ein Studium der Berufs- und Wirtschaftspädagogik entscheiden, und so wird den Schulen in absehbarer Zeit ein fachwissenschaftlich und pädagogisch gut qualifizierter Lehrkräftenachwuchs zur Verfügung stehen.

Denn auch für die berufliche Bildung gilt: Auf die Lehrerinnen und Lehrer kommt es an!

Lehrkräfte gesucht!
Datum: 7. September 2018
Autor: Michael Müller

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