Pflegekraft hält Hand einer älteren Person mit Gehstock.

Pflege: Fachkräftemangel nicht durch Niveauabsenkung lösen

„Grundsätzlich sind es gute Nachrichten, dass die Bundesregierung endlich das Wirrwarr von unzähligen landesspezifischen Ausbildungsvorgaben beenden möchte“, sagte Volker Geyer, Fachvorstand Tarifpolitik und dbb-Vize, am 22. August 2024 in Berlin. „Und es ist unbestritten, dass sich die Personalsituation in der Kranken- und stationären Altenpflege verbessern muss. Allerdings muss das mit einem hohen Maß an Qualität und Professionalität einhergehen. Was das betrifft, ist der Gesetzesentwurf aus Sicht des dbb enttäuschend.“

Die Pflegeassistenzausbildung soll laut Entwurf 18 Monate dauern, die Pflegehilfeausbildung zwölf Monate. Geyer: „Das ist zu kurz, um die erforderlichen Qualifikationen zu vermitteln. Es ist vorprogrammiert, dass die ohnehin stark belasteten Bestandskräfte in die Bresche springen müssen. Fachkräftemangel lässt sich nicht durch Niveauabsenkung lösen!“

Empathie darf nicht auf der Strecke bleiben

Weiterhin sieht der Gesetzesentwurf vor, die Assistenz- und Hilfsausbildung auch für Menschen ohne Schulabschluss zu öffnen. „Das ist ein komplett falscher Ansatz“, kritisiert Geyer.  „Wir sehen die Gefahr, dass das Gesetzesvorhaben die besonders in der Pflege so wichtige Fachlichkeit aufweicht. Die Praxisanleitung, die durch Lücken in der Schulbildung sicherlich nicht einfacher wird, bereitet uns schon jetzt große Sorgen, weil das Personal diese nebenbei erledigen muss. Hier brauchen wir klare Freistellungsregelungen, damit Ausbildungsqualität und Empathie nicht auf der Strecke bleiben!“

Was aus Sicht des dbb außerdem passieren muss? „Wir brauchen eine auf Schichtdienste abgestimmte Kinderbetreuung, mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten und einen besseren Arbeitsschutz“, betont Geyer. „Das kann dazu beitragen, die angespannte Personalsituation zu entspannen und Ausfälle, Berufsaufgaben sowie vorzeitige Ruhestandseintritte zu verhindern.“

Datum: 22. August 2024

Diesen Beitrag teilen

E-Mail
Drucken
Facebook
Twitter

Letzte Beiträge

Geyer begrüßt Fortschritte bei der Staatsmodernisierung

„Die Dienstleistungen der Verwaltung müssen einfach und unkompliziert funktionieren, das erwarten die Bürgerinnen und Bürger, aber nicht zuletzt auch die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes“, sagte Volker Geyer, Bundesvorsitzender des dbb, bei einem Treffen mit dem Vorsitzenden der AG Staatsmodernisierung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Ralph Brinkhaus, MdB, am 26. Juni 2026 in Berlin. Bereits am Vortag hatte sich die Ministerpräsidentenkonferenz

Weiterlesen »

Geyer: öffentlichen Dienst endlich nachhaltig stärken

Täglich müssen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes Anfeindungen, Beleidigungen und schlimmstenfalls Gewalt erdulden. „Wir erleben eine Verrohung des Umgangs und immer mehr Angriffe auf Menschen, die sich für unsere Demokratie und unseren Staat einsetzen“, sagte Volker Geyer, Bundesvorsitzender des dbb, auf dem Thüringer Abend des tbb beamtenbund und tarifunion thüringen in Erfurt am 25. Juni 2026. „Man kann

Weiterlesen »

Gemeinsam den Rechtsstaat stärken

„Für die Funktionsfähigkeit des Rechtsstaates in Deutschland ist eine aufgabengerechte Personalausstattung in allen Bereichen der Justiz dringend erforderlich“, machte der stv. dbb-Bundesvorsitzende und Fachvorstand Beamtenpolitik des dbb, Heini Schmitt, in dem Gespräch am 25. Juni 2026 deutlich. „Die Politik muss den Rechtsstaat stärken. Schließlich ist er das Rückgrat unserer Demokratie.“ Der Austausch fand gemeinsam mit Vertretern der

Weiterlesen »

Loading...