Indienreise: Im Reich des Maharadschas

28. März 2015: Der Abflugtag

Nach dem Eintreffen der Teilnehmer in Frankfurt starteten wir gemeinsam mit dem Airbus A380-800 auf den ca. 6200 km langen Flug nach Neu-Delhi. Der Flieger war fast ausgebucht. Dieses mussten wir leidvoll im Flughafen von Delhi erfahren. Das Chaos war perfekt. Es waren zu wenige Einreiseerklärungen vorhanden und die Einreiseschalter waren nur teilweise besetzt. Auch wenn es am Sonntagmorgen um 2:00 Uhr verständlich war, ist es doch nervig, in einer Schlange zu stehen, die sich nur im Schneckentempo voran bewegt! Fehlbedienungen des Hand- bzw. Fingerabdruck-Scanners führten außerdem zu zusätzlichen Verzögerungen.

Wir warteten bis 3:30 Uhr und sind dann, obwohl noch 4 Mitreisende fehlten, ins Hotel gefahren. Es war fast 4:30 Uhr, als wir endlich unsere Zimmer beziehen konnten. Die “Spätankömmlinge” trafen erst gegen 6:00 Uhr ein. Es war gut, dass wir bis 11:40 Uhr ausschlafen konnten.

29. – 30. März 2015: Neu Delhi – Die Hauptstadt Indiens

Uns klingeln noch die Ohren, wenn wir an den Verkehr in Delhi denken. 2 Stunden Staufahrt (für 2 Kilometer) kennzeichnen die Verkehrssituation in der 11 Millionen Metropole.

Die erste Sehenswürdigkeit, das Grabmal von Humayun, war beeindruckend. Das Grab gehört aufgrund des eleganten persischen Stils zu den prächtigsten historischen Bauwerken in Delhi. Die große Moschee in der Altstadt und das India Gate hinterließen ebenfalls bleibende Eindrücke.

Abenteuerlich war die Fahrt mit der Rikscha durch die Altstadt. Diese lässt sich mit den Stichworten: “enge Gassen”, “erfahrene Stunt-Fahrer”, “Beinahe – Zusammenstoß”, “Rikscha-Ralley”, “hupende Motorräder” und “Luft-anhaltende-Fahrgäste” beschreiben. Die Fahrer haben ihre Rikscha und das Verkehrsgeschehen aber jederzeit im Griff!

In der Abenddämmerung am Gandhi Denkmal gab es eine Lehrstunde über die Namensgebung. Unser indischer Reiseführer Bopal erklärte uns die Bedeutung von Mahatma („große Seele“) und Maharadscha („großer Herrscher“). Gandhis vollständiger Name lautete Mohandas Karamchand Gandhi.

30. März 2015: Das Fachprogramm

Der Tag stand als Fachprogramm Teil 1 zur Verfügung. Zunächst besichtigten wir die Tagore International School („T.I.S.”). Von der (Verwaltungs-)Leiterin der Schule Preiet Chadha haben wir uns ausführlich in das System indischer Schulen einführen lassen. Im staatlichen Fächerangebot (National Board) sind 15 Fächer aufgelistet, die mit unterschiedlicher Priorität und Verbindlichkeit unterrichtet werden. In der Vorschule bzw. Kindergarten (3 bis 6 Jahre alt) werden die Kinder mit der englischen Sprache vertraut gemacht.

Die allgemeine Schulpflicht beginnt mit 6 Jahren und umfasst die Klassenstufen 1 bis 6. Hier werden die Fächer Englisch, Hindi, Mathematik, Sozialkunde und Wissenschaft vermittelt. In den Klassen 6 bis 8 kommt die 3. Fremdsprache (Wahlweise Sanskrit, Chinesisch, Französisch, Japanisch) hinzu. In den Klassen 9 und 10 ist Englisch die Vertiefungssprache. Hier findet auch die staatliche Abschlussprüfung statt. Alle Chancen, in einen Beruf einzusteigen gibt es aber nur, wenn auch die Klassen 11 und 12 besucht werden und gute Englisch-Kenntnisse nachgewiesen werden.

Die vielen Religionen werden entsprechend ihrer Bedeutung geachtet, sind aber nicht Teil eines Religionsunterrichts. Feiertage der verschiedenen Religionsgemeinschaften werden eingehalten, eine politische Wertung erfolgt nicht.

In den Klassen 11 und 12 werden wieder 2 Sprachen unterrichtet. Die Profilfächer der Tagore Schule liegen im künstlerisch/musischen Bereich. Als weiterer Schwerpunkt sind hauswirtschaftliche Qualifikationen zu nennen.

Im Klassenraum der Tagore International School

Die Klassenfrequenz liegt bei durchschnittlich 44 Schülerinnen und Schülern (45% Jungen). Die 1800 Schüler dieser Schule werden von 97 festangestellten Lehrerinnen und 6 Lehrern unterrichtet. Einige Qualifikationen (z.B. im Sport) werden von 15 Teilzeitlehrern gelehrt.

Die Schule wird durch Elternbeiträge finanziert. Diese liegen bei etwa 60 Euro pro Monat. Da die Notwendigkeit von Bildung in Indien sehr stark verankert und ebenfalls das Prinzip der Großfamilie bedeutsam ist, lernen Kinder gerne und freiwillig. Daher ist die hohe Anzahl der Schülerinnen und Schüler pro Klasse erklärbar. Disziplinprobleme oder Schulverweigerung kommen sehr selten vor. Etwa 25% der Schüler sind aus der ärmeren Bevölkerung und besuchen die Schule kostenlos. Diese Gruppe wird per Aufnahmeprüfung aufgenommen.

Das Einkommen der Lehrerinnen/Lehrer liegt bei 800 Euro im Monat. Die besseren Einkommen erzielen die Lehrer nur in Spezialschulen (Instituten). Von diesem Einkommen muss das Hauspersonal (wie bei uns) bezahlt werden, sofern die Familie die Aufgaben der berufstätigen Frau nicht übernimmt. Die Tagore Schule hat in ihrem Portfolio auch die Anerkennung durch vielfältige internationale Kontakte (Besucher hochrangiger Politiker und Austauschprogramme von Schülern und Lehrern)

Auch die Hochbegabtenförderung ist ein Thema. Das HOTS Prinzip soll dieses leisten. (Es sind spezielle Training-Skills für Hochbegabte.)

Zur Förderung schwächerer Schülerinnen und Schüler ist die nullte Stunde eingeführt worden. Zusätzlich stehen in den Bibliotheken (bei Nachfrage) Angebote zur betreuten oder individuellen Weiterarbeit Werke zur Verfügung.

Auf dem Schulrundgang wurde noch einmal deutlich, dass das Lernen mit allen Sinnen und an allen Orten erfolgt. An Fenstern stehen Formeln, auf dem Schulhof regen bemalte Flächen zum Lernen an, die Grundprinzipien der Physik stehen als technische Geräte auf einer Dachterrasse zur Verfügung.

Ach so, die staatlichen Prüfungen werden nicht in der eigenen Schule sondern in benachbarten Schulen abgenommen. Das war deutlich an der Schuluniform zu erkennen. Die Schuluniform der Tagoreschule ist braun, die Schuluniform der eintreffenden Schülerinnen und Schüler war blau weiß. Klausuren zur Leistungskontrolle werden von eigenen Lehrern, die staatlichen Zentralprüfungen in den anderen Schulen und von anderen Lehrern korrigiert.

Die vorhandenen Schulbusse transportieren die Schülerinnen und Schüler bis in die Außenbezirke Delhis. Die Tagoreschule ist keine Internatsschule, betreibt aber eine Küche.

31. März 2015: Agra – Bundesstaat Uttar Pradesh

Nach einer 250 km langen Busfahrt erreichten wir in Agra. Das Rote Fort und das Taj Mahal, als eines der Highlights der Reise, standen heute auf dem Programm. Das Rote Fort ist eine Festungs– und Palastanlage aus der Epoche der Mogulkaiser und diente im 16. und 17. Jahrhundert mit Unterbrechungen als Residenz der Moguln. Es wurde auch zu Verteidigungszwecken genutzt.

Das Rote Fort in Agra – Festungs- und Palastanlage aus der Epoche der Mogulkaiser

Das Taj Mahal (Krone des Ortes) ist ein 58 Meter hohes und 56 Meter breites Mausoleum das auf einer 100 × 100 Meter großen Marmorplattform errichtet wurde. Der Großmogul Shah Jahan ließ ihn zum Gedenken an seine im Jahre 1631 verstorbene große Liebe Mumtaz Mahal (Arjumand Bano Begum) erbauen. Jade und Kristall, Saphire und Amethyste, Quarze und Diamanten zieren diesen Liebesbeweis für die Ewigkeit.

Reisegruppe auf dem Gelände des Taj Mahal – das Taj Mahal in Agra ist eine der Hauptattraktionen einer jeden Indienreise. Der VLWN ließ sich den einmaligen Eindruck natürlich nicht entgehen.

Die Grabmoschee, die in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurde, verbreitet ihren Glanz seit fast 400 Jahren und ist wegen der einmaligen Architektur und den feinen Einlegearbeiten in weißem Marmor weltweit bekannt. Je nach Sonneneinfall erstrahlt der helle Marmor mal in sanftem Gelb, mal in einem fast unwirklichen Blau.

Taj Mahal

1. April 2015: Agrar – Dorfschule und Geisterstadt Fatephur Sikri

In der Nähe von Agra besuchten wir zunächst eine Dorfschule. Das Bildungsgefälle zwischen einer Privatschule und einer staatlichen Schule ist erwartungsgemäß groß. In der Schule wird nur eine Sprache vermittelt. Die Schule hat nur die Klassen 1 bis 8. Die 1. und 2. Klasse wird zusammen unterrichtet. Auffällig ist auch hier die Disziplin der Schülerinnen und Schüler. Die Ausstattung der Schule ist spartanisch. Es sind keine Tische und Stühle vorhanden, die Kinder sitzen auf Teppichen. Die Tafeln bestehen aus mit Tafelfarbe gestrichenen Gipsplatten. Die Aufnahme war sehr freundlich, obwohl wir die Schule spontan und ohne Ankündigung aufsuchten. Die Schüler werden von 8 Lehrerinnen unterrichtet.

Schulleiter Gerd Reddig mit Schülerinnen einer 8. Klasse

Auf der Weiterfahrt nach Jaipur besuchten wir anschließend die alte verlassene Stadt Fatephur Sikri. Sie liegt 40 km westlich vonAgra undwar dasZentrum derRegierungszeit unter Akbar demGroßen. Die karminroten die filigranen Sandstein-Paläste dieser Geisterstadt, die wegen Wassermangel verlassen wurde, beindruckten durch angenehme Ruhe und relativ wenig Touristen.

Nach der Ankunft in Jaipur stürzten wir uns am frühen Abend in den Trubel der bunten Basare, auf denen die gesamte Vielfalt an Kunst und Handwerk und noch vieles mehr angeboten wird.

2. April 2015: Jaipur und Amber

Der heutige Tag begann mit der Besichtigung des Palasts der Winde und dem Amber Fort. Nach der kurvenreichen Anfahrt bestiegen wir die geduldigen Elefanten, die uns auf einem wackeligen Ritt hinauf in die Festung brachten. Nicht nur die Architektur ist spektakulär sondern auch die Ausblicke in die Umgebung.

Die mittelalterliche Festung Amber Fort in Jaipur

Anschließend folgte der obligatorische Besuch zweier Manufakturen. Und es war wie immer: Mehrere Kolleginnen und Kollegen erstanden mit Freude einen Teppich oder ließen sich einen Sari oder Anzug maßschneidern, der pünktlich am nächsten Morgen ins Hotel geliefert wurde. Andere erstanden einen Pashmina Schal oder einen Ring.

In Jaipur fand das letzte gemeinsame Essen mit traditioneller indischer Folklore statt. In gemütlicher Runde in einem wunderschönen Gartenlokal wurden die vielfältigen Eindrücke ausgetauscht. Indien ist größer als Europa. Mit den ca. 1,3 Milliarden Einwohnern und den vielen Religionen und Kulturen aber außerordentlich vielfältiger.

Ein Teil der Gruppe tauchte noch weiter in die religiöse und kulturelle Vielfalt ein und startete auf eine weitere Rundreise durch Rajasthan. Andere bestiegen den Flieger nach Goa, um dort ein paar Tage unter Palmen auszuspannen. Vier Reiseteilnehmer kehrten mit den Eindrücken nach Deutschland zurück.

Pool- und Stranderholung im fünf Sterne Hotel „The Leela“ in Goa

3. April 2015: Teilung der Reisegruppe

Wer nicht zur Entspannung nach Goa flog oder gleich nach Hause, der hatte in der kommenden Woche Gelegenheit, noch tiefer in die Geheimnisse Indiens einzudringen. Wir waren zu fünft, plus Bhopal – das war schon exklusiv. Wir sahen noch mehr Paläste, viele Tempel und bekamen auch eine ganze Menge von den anderen Seiten Indiens mit. Wir erhielten einen Einblick in das ländliche Leben und erlebten immer wieder die unglaublichen Unterschiede in den Lebensbedingungen. Ein einheimischer Reiseleiter hat natürlich viele Vorzüge, aber man denkt auch daran, dass er sein Land nicht in schlechtes Licht rücken will.

Wir bekamen also einen anderen Bus und einen anderen Fahrer, der aber genauso abenteuerliche Manöver drauf hatte wie sein Vorgänger. Muss man aber auch in Indien, wo nicht nach strengen Regeln gefahren wird, sondern kooperativ. Das Wort Geisterfahrer beispielsweise kommt in der indischen Sprache nicht vor. Wenn es praktischer ist auf der falschen Seite der Autobahn zu fahren, dann tut man es. Jeder ist darauf gefasst und reagiert. Man muss ja auch immer mit Kühen rechnen. Die 6 Stunden Fahrt von Jaipur bis zu dem Dorf Nimaj waren also ziemlich unterhaltsam. Und auch im Dorf selbst wurde die Hotelanfahrt zum Abenteuer. Parkende Motorroller mussten zur Seite gerückt, Kühe und Hunde vertrieben werden, damit unser Bus durch kam. Nach diesen Aufregungen konnten wir nur noch staunen: ein Palast wie aus 1001 Nacht, über verwinkelte Treppenaufgänge und Innenhöfe erreichten wir unsere Zimmer mit bunt bemalten Säulen, Sitzgruppen am Fenster und riesigen herrschaftlichen Bädern.

Anschließend ging es per Jeep zu einem ganz kleinen Dorf, wo wir zwei Wohnhütten besichtigten. Da sah es schon sehr ärmlich aus. Aber Stromanschluss, Nähmaschine, Töpferscheibe für Handarbeiten zum Verkauf gab es hier doch – und Satellitenempfang sowie Computer.

Nach dem Besuch eines kleinen Hindutempels kamen wir zum Sonnenuntergang an einen Stausee. In der Ferne fanden sich Antilopen. Nachdem wir uns schon fast daran gewöhnt hatten, dass Indien laut und voll ist, genossen wir eine Zeitlang die Ruhe und Einsamkeit.

4. April 2015: Jodhpur und das Mehrangarh Fort

Am nächsten Tag waren wir nach 2 Stunden in Jodhpur – der blauen Stadt, sehr viele der Häuser sind hier alle in demselben Blauton gestrichen. Besonders gut ist das von den obersten Etagen des Mehrangarh Forts aus zu sehen. Das ist eine Festung mit riesig hohen und dicken Mauern – sie kommt einem absolut uneinnehmbar vor. Innen sind die vielen Stockwerke mit Kunstgegenständen gefüllt. Prächtige Elefantensättel, Sänften, Kinderwiegen, Schmuckstücke aller Art und viele wunderschöne Miniaturmalereien sind zu bewundern.

Wieder zurück in der Stadt landeten wir bei einem Bummel durch den Basar in einer Stoffhandlung mit ganz erlesenen Decken, Schals und Kissen. Im Gästebuch standen prominente Namen: Madonna, Charles und Camilla, … Man ist stolz darauf auch internationale Nobelfirmen zu beliefern. Hier wurden diese Waren zu 1/10 des Weltmarktpreises angeboten. Kein Wunder, dass bei uns wieder einmal Kaufreflexe ausgelöst wurden. Von diesen schwierigen Entscheidungen erhol­ten wir uns am Abend in einem Gartenrestaurant bei einigen „Kingfisher“, unserer indischen Lieblingsbiersorte.

5. April 2015: Nach Udaipur

Auf unserer Fahrt nach Udaipur hielten wir in Ranakpur, um einen Jaintempel zu besichtigen. Dabei handelt es sich um eine Schwesterreligion des Hinduismus aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. Unglaublich mit welcher Akribie und Kunstfertigkeit die 1444 Marmorsäulen gestaltet sind.

Und dann gewannen wir noch Einblick in den ländlichen Stand der Technik: Da arbeitet noch Ochsenkraft anstelle von Maschinenkraft.

In Udaipur waren wir in einer tollen Hotelanlage mit einzelnen kleinen Gästehäusern untergebracht, die um einen schönen Pool angeordnet sind. Alles war mit Antiquitäten dekoriert. Dazu Ställe und ein Reitplatz.

6. April 2015: Octopussy-Drehort

Nach dem Frühstück brachte uns der Bus zum Sahelion Ki Bari – dem Garten der Ehrenjungfrauen. Wir spazierten zwischen tropischen Bäumen, Springbrunnen und bunten Blumenbeeten. Weiter wurden wir in einer Galerie mit der Kunst der Miniaturmalerei vertraut gemacht. Je größer die Fertigkeit des Malers desto differenzierter und kleiner die Details auf den Bildern.

Dann waren wir dort, wo Teile des James-Bond-Films Octopussy gedreht wurden: Der Pichola-See hat ein märchenhaftes Ambiente. Über allem thront der Maharaj City Palace. Wir wurden immer noch nicht müde von der vielen Pracht, aber langsam gehen einem die Superlative aus. Wir wurden zu begehrten Fotomodellen, denn wir waren ja hier die Exoten. Eine Bootsfahrt brachte uns zur Insel Jagmandir, die von den Reichen und Schönen der Welt gern für rauschende Feste gemietet wird.

Inzwischen waren wir hungrig geworden und ließen uns vom Busfahrer in Bhopals Restaurant in Udaipur bringen. Dort genossen wir indisches Essen und lernten seine beiden netten Töchter kennen, die gerade aus der Schule kamen. Nachdem uns noch ein Dessert und eine Flasche Wein spendiert worden war, wollten wir am liebsten ins Hotel und an den Pool zurück.

7. April 2015: Marmor, Tempel und ein Mahadscha-Palast als Hotel

Die Fahrt ging durch ein reiches Bundesland nach Deogarh. Wir kamen an unzähligen Betrieben vorbei, die weißen indischen Marmor verarbeiten, und im Hintergrund waren die Steinbrüche zu erkennen. In Nagda besuchten wir eine alte Hindutempelruine. Die Wände, die noch erhalten sind, sind bedeckt mit Reliefs von allen möglichen Szenendarstellungen: Kamasutra (Liebesszenen) oder Vollzug der Todesstrafe für Vergewaltiger (zertreten von einem Elefanten). Rund um die Tempelanlage fanden wir junge Teakholzbäume und Rizinusbäume mit ganz stacheligen Nüssen.

Im nächsten Tempel wird der Gott Schiwa verehrt. Wir wurden mit einer dichten Schlange Gläubiger hindurchgeschoben.

„Brahma-Tempel“ in Pushkar

In Deogarth gelangten wir zu Fuß zu unserem Hotel, einem alten Mahadscha-Palast. Die Zimmer sind wieder richtige Suiten mit Nischen und Terrassen. Abgeschlossen werden sie stilvoll mit Vorhängeschlössern aus Messing. Den Zugang findet man über Dächer und verwinkelte Treppen – ein Paradies für Abenteuer-Rallyes.

Auf dem Weg zum Basar trafen wir die Hausherrin, die Maharani, eine vornehme ältere Dame die sich sehr freundlich mit uns unterhielt.

8. April 2015: Durchs Bergland in die Wüste

Heute stand zunächst eine Fahrt über 22 km durch eine Berglandschaft von Khamblighet nach Phulad mit der Schmalspurbahn auf dem Programm. Wir bestiegen unser Abteil mit Holzbänken, und los ging es mit offenen Türen und vergitterten Fenstern. Die Lokomotive musste mit einem für Eisenbahnen ziemlich heftigen Gefälle zurechtkommen, während wir die Aussicht auf die Landschaft mit Bergen, Felsen und karger Vegetation genossen. Es gab einen Halt an einer Stel­le, wo eine große Gruppe von Affen – Hanumalanguren – auf uns wartete. Bhopal hatte Päckchen mit Keksen zum Füttern organisiert. Offensichtlich war das mit den Affen verabredet. Weiter ging es in engen Kurven über hohe Brücken, wo wir Gelegenheit hatten, den ganzen Zug von unserer Tür aus zu überblicken. Die komplette Strecke ist auch auf einem youtube-Video nachzufahren. Am Zielbahnhof wartete unser Bus, der uns nach Pushkar brachte, in ein Hotel mitten in der Wüste, neu und wunderschön in arabischem Stil gebaut; in einer großen Parkanlage umrandet von 10 Gästehäusern. Die Zimmer boten jeden Komfort – mit gelegentlichen technischen Überraschungen: heißes, fast kochendes Wasser als Toilettenspülung. Am Abend fuhren wir wieder in die Stadt – auf den Basar und zur Andacht in einen Brahmatempel. Das hier ist ein wichtiger Wallfahrtsort – wir trafen auf einige Brahmajünger, die bei näherem Hinsehen wie Europäer wirkten – Hippies.

9. April 2015: Zurück nach Delhi

Jetzt ging es wieder zurück nach Delhi. Das sind 6 Stunden Autofahrt, unterbrochen durch den Besuch eines Waisenhauses, in dem auch HIV-infizierte Kinder Unterkunft finden. Es geht um ein Projekt, das Bhopal sehr am Herzen liegt und uns tief beeindruckt hat. Eine ungeheuer engagierte Leiterin kümmert sich mit ein paar Mitarbeitern rund um die Uhr um zur Zeit 38 Kinder und Jugendliche zwischen 2 und 17 Jahren, die zum Teil von ihren Familien verstoßen wurden und die sonst irgendwo verelenden würden. Alle Kinder gehen zur Schule, sie leben in einfachen aber ordentlichen Räumen, und es wird versucht, berufliche Perspektiven für sie zu entwickeln. Im Hintergrund steht eine Österreicherin, die überall versucht Spenden einzusammeln – und wir kamen zu der Überzeugung, dass das Geld wirklich dort ankommt, wofür es gegeben wurde.

In Delhi verabschieden wir uns von Bhopal, und er gab uns mit auf den Weg: „Wir sagen nicht Adieu sondern Auf Wiedersehen.“

10. April 2015: Der letzte Tag

Heute hatten wir die freie Auswahl: Nichtstun und nur Entspannen, Spa und Massage oder weitere Abenteuer – oder wenigstens noch ein bisschen die Neugier entscheiden lassen. U-Bahn fahren in einer 20-Millionen-Stadt ist doch auch etwas. Delhi hat noch einen prächtigen Sikhtempel zu bieten, wo auch ungläubige Männer das Haupt verhüllt bekommen. Das Schuhe-Ausziehen kannten wir ja schon. Und dann wurden wir noch hinter die Kulissen einer Großküche geführt, wo täglich für Tausende gekocht wird, kostenlos, für jeden, nicht nur für Sikhs, unabhängig von Religion und Bedürftigkeit.

“Abschied von Indien” mit – von links – unser Fahrer Virendra, Anni Korte, Christl Garske, der Portier des Welcomehotel Dwarka in New Delhi, Brigitte Kemper und Helga Spieckermann

Spät am Abend kam noch einmal unser Busfahrer und brachte uns zum Flughafen. Ein neuer Reisebegleiter passte auf, dass beim Einchecken nichts schiefging. Und dann saßen wir mit leichter Verspätung wieder in einem A380 und versuchten zu schlafen. Die Verspätung spielte eine Rolle, weil in Frankfurt Anschluss-Flüge gebucht waren. Aber es ging alles gut.

Fazit

Es ist klar, dass bei einer 2-Wochen-Reise in ein so großes Land Fragen offen bleiben. Indien ist eine Demokratie, keine Frage, aber wie funktioniert sie im Detail? Wie gehen die Inder miteinander um? Es gibt zwar traditionell eine Einteilung in Kasten, aber die ist längst nicht so strikt, wie es von außen aussieht. Trotzdem: Wir haben gelernt, dass Inder eher Nichtraucher sind, eher Antialkoholiker, viele essen kein Fleisch und es gibt nur wenig Scheidungen. Indien ist sehr lebendig und farbenfroh. An vielen Orten fühlt man sich ins Mittelalter versetzt, aber die Inder bauen auch Atombomben und Weltraumraketen.

In unseren Köpfen haben wir Schubladen angelegt, die weit offen stehen für alle Informationen, die wir aus Indien bekommen können.

Neben vielem anderen hat uns das Projekt „Waisenkinder brauchen ein Zuhause“ von Magdalena Malzner aus Österreich besonders beeindruckt. Ein Anruf bei ihr hat uns in unserer Absicht bestärkt, unsere Spendenbereitschaft auch nach Indien zu lenken. Weil wir gesehen haben, wie das Geld ankommt und wie sehr es Kindern nützt, die wirklich benachteiligt sind. Wer mitmachen will: Magdalena Malzner, malzner@aon.at, 00436645417003, IBAN: AT 59 3411 0000 0201 4801, BIC: RZOOAT2L110. Sie freut sich über jedes Interesse an ihrem Projekt und jeden Euro. Es werden Spendenquittungen ausgestellt.

Der Stolz und der Wille zur Verbesserung stammen aus der langen Geschichte Indiens. Um Indien kennenzulernen und verstehen zu können, reichte die Zeit leider nicht aus. Bopal unser Reiseleiter meinte, es gibt nur zwei Extreme “Indien liebt man” oder “Indien hasst man”. Dazwischen gibt es nichts.

Hans Peeks, Gerd Reddig, Martina Kowallick und Gerhard Garske

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