Digitale Endgeräte für Lehrkräfte – ein Modell für alle?

Digitale Endgeräte für Lehrkräfte – ein Modell für alle?

VLWN fordert auch hier Differenzierung und liefert Handlungsempfehlungen.

Beim Schulstart nach den Winterferien holperte es gewaltig: Server brachen zusammen, Lernplattformen schmierten ab, die Internetverbindung riss vielerorts immer wieder ab und die versprochenen digitalen Endgeräte für Lehrkräfte lassen weiter auf sich warten. „So ist Unterricht auf Distanz in der beruflichen Bildung schlicht nicht möglich. Um zumindest perspektivisch Distanzphasen auf Präsenzniveau zu heben, ist noch eine hinlänglich bekannte Mängelliste abzuarbeiten, damit die Schulen technisch dazu in die Lage versetzt werden können. Wenn denn dann irgendwann einmal die digitalen Endgeräte kommen, stellt sich die Frage, ob die gewählten Laptops oder Tablets den fachlichen Bedürfnissen der beruflichen Schulen gerecht werden. Wir brauchen passgenaue Arbeitsgeräte und nicht ein und denselben Modelltyp für alle Lehrkräfte“, sagt Joachim Maiß, Vorsitzender des Verbandes der Lehrerinnen und Lehrer an Wirtschaftsschulen in Niedersachsen (VLWN).
Es gibt in Deutschland über 320 Ausbildungsberufe mit sehr unterschiedlichen technischen Anforderungen für den digitalen Unterricht. Mal ist ein IPad, mal ein Windows PC, mal ein Notebook, mal ein Mac, mal ein Convertible und häufig auch der Mix aus vielem die richtige Lösung. „Die Schaffung eines Schulstandards bindet über viele Jahre an eine Systemfamilie, mit allen Vor- und Nachteilen. Jede berufsbildende Schule ist aber anders aufgestellt. Jeder Bildungsgang hat andere Bedürfnisse und selbst jede Fachgruppe kennt unterschiedliche Anforderungen an das digitale Lehrgerät. Ein Gerät, das alle Wünsche erfüllt, ist daher illusorisch“, sagt Maiß. und verweist darauf, dass die Verwendung von mehr als einem Gerät in vielen Unterrichtssituationen sinnvoll ist. „Der stationäre Heim-PC, dazu ein iPad und/oder ein Notebook sind bei vielen BBS Lehrkräften bereits berufliche Realität. Die Arbeit über ein Lernmanagementsystem und/oder einer Kollaborationsplattform für den sinnvollen Distanzunterricht ist dann besser zu realisieren“, sagt Maiß.

Der VLWN fordert daher, dass die Geräte aus den Medienkonzepten der Schulen ermittelt werden und die Schulen Mindestanforderungen an die Geräte festlegen können. „Die Lehrkräfte wissen am besten, was sie brauchen. Hier sind die Schulträger gefordert, die definierten Bedarfe beim Gerätekauf zu berücksichtigen“, sagt Maiß und betont: „Es macht Sinn, an jeder Berufsbildenden Schule einen Pool mit unterschiedlichen digitalen Endgeräten aufzubauen, die bei Bedarf getauscht werden können. So kann ein atmendes Wechselsystem geschaffen werden, dass die Basis für bestmöglichen digitalen Unterricht ist. „Die Berufsbildenden Schulen entscheiden dann selbstständig über die Einführung eines Gerätemanagements für mobile Geräte“, so Maiß.
Um das schwelende Problem mit dem Datenschutz zu entschärfen, fordert der VLWN eine DSGVO-konforme dienstliche Cloud. „Alle Daten könnten dort sicher gespeichert werden. Die Speicherung personenbezogener Daten auf digitalen Endgeräten wäre damit überflüssig und die Thematik nicht länger auf die Lehrkräfte abgewälzt“, sagt Maiß. Um einen verlässlichen Service und Support gewährleisten zu können, brauchen berufliche Schulen medienpädagogische Beratung bei der Realisierung digitaler Medieninhalte und damit passgenaue Hilfe vor Ort. „Im Distanzunterricht brauchen die Berufsbildner tagtäglich rund um die Uhr (24/7) eine erreichbare Servicehotline mit fachkundigem Support. Das ist unumgänglich für professionellen Unterricht und in den meisten Betrieben selbstverständlich“, sagt Maiß.

Der vierte Baustein, um die Digitalisierung der beruflichen Schulen neben Hardware, Datensicherheit und Support auf ein tragfähiges Fundament zu stellen, ist die Ersatzbeschaffung und Aktualisierung. „Die Anschaffung der dienstlichen Endgeräte darf kein Strohfeuer bleiben, sondern muss zum Dauerbrand erwachsen. Lehrkräfte brauchen aktuelle Arbeitsmittel. Daher werden die digitalen Endgeräte permanent ersetzt und aktualisiert. Hierbei ist die gewöhnliche Nutzungsdauer von 36 bis 60 Monaten anzusetzen. Die Geräte sind gegen Verlust oder Beschädigung versichert und werden bei Bedarf von Techniker/innen administriert“, schließt Maiß den VLWN-Forderungskatalog, der als Handlungsempfehlung für Politik und Schulträger gedacht ist, und betont: „Wir stehen gerne mit unserer fachlichen Expertise als Gesprächspartner bereit, um die Digitalisierung der Schulen endlich voranzutreiben, nachhaltig aufzustellen – auch für die Zeit nach der Coronakrise.“

Berufliche Bildung braucht „Mutanfall“

Berufliche Bildung braucht „Mutanfall“

VLWN: Mit Bürokratieabbau und Pragmatismus Mängelliste in der Corona-Krise ausmerzen

Pressemitteilung
Hannover, 07.01.2021

Der Erkenntnisgewinn schafft Hoffnung: Schulen sind sehr wohl Infektionsherde – und werden es noch lange bleiben. Eine Tatsache, der sich jetzt auch die Kultusminister*innen bei der jüngsten KMK-Konferenz gestellt und das bisherige Mantra der „sicheren Schulen“ zum Neustart nach den Ferien gegen ein dreistufiges, inzidenzgekoppeltes Modell mit Wechsel- und Hybridunterricht getauscht haben. Präsenzunterricht um jeden Preis ist damit eine klare Absage erteilt worden. Die gestrige Entscheidung der Länderchef*innen, die Schulen flächendeckend bis zum 31. Januar geschlossen zu halten und den Präsenzunterricht auszusetzen, ist da nur konsequent.
„Das ist gut und richtig – auch wenn Präsenzunterricht höchste Priorität hat. Denn nur, wenn man Kontakte minimiert, Klassen halbiert, damit kleine Lerngruppen schafft, können auch in den beruflichen Schulen die AHA-Regeln eingehalten und das Infektionsgeschehen reduziert werden. Nur reicht das nicht“, sagt Joachim Maiß, Vorsitzender des Verbandes der Lehrerinnen und Lehrer der Wirtschaftsschulen in Niedersachsen (VLWN). Er fordert einen „Mutanfall“ der Politik auf allen Ebenen und betont: „Das Virus wird uns noch lange begleiten. Daher ist es notwendig, die differenzierten Modelle, die der Hybridunterricht bietet, nicht als Ausnahme abzunicken, sondern als Ergänzung zu verankern. Hybridunterricht erlaubt, den Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht wie mit einem Regler passgenau auf die jeweilige Situation feinzujustieren.“

Die Entscheidung von Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne, den Unterricht an den beruflichen Schulen bis Ende Januar grundsätzlich im Szenario C und damit in Distanz stattfinden zu lassen, begrüßt Maiß ausdrücklich. Und auch den eingeräumten Entscheidungsspielraum, kleine Lerngruppen, die im laufenden Schuljahr Abschlussprüfungen ablegen, bei Bedarf im Wechselunterricht zu beschulen, hält Maiß für eine weitsichtige Entscheidung, die perspektivisch Planungssicherheit bietet „Wenn ich von Mutanfall spreche, schließt das alle Bildungs-Beteiligten mit ein – auch die Schulleiter*innen, die diesen Freiraum nutzen sollten und auch die Abschlussklassen ausnahmslos in Distanz unterrichten, um das Infektionsrisiko zu minimieren.“ Keine Klassenarbeit sei so wichtig, als dass man dafür den Gesundheitsschutz aufs Spiel setzen müsse.

„Um den Gesundheitsschutz zu erhöhen, müssen Klassenräume mit Luftreinigern und Plexiglasscheiben zwischen jedem Sitzplatz ausgestattet werden. Digitale Endgeräte müssen angeschafft und mehr Lehrkräfte eingestellt werden. Statt bloßer Ankündigungen brauchen wir dafür einen Mutanfall, um schnell, unkonventionell und unbürokratisch mit Hands-on-Mentalität diese Mängelliste abzuarbeiten. Und wir brauchen langfristig, tragfähige Strategien, um Bildungsgerechtigkeit und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler nach bestmöglicher Ausbildung gewährleisten zu können. Denn nur so kommt die berufliche Bildung durch die Corona-Krise“, sagt Maiß.

Die Mängelliste, um die Schulen technisch in die Lage zu versetzen, die Distanzphasen auf Präsenzniveau zu heben, ist lang: „Die versprochenen Endgeräte für Lehrkräfte können nicht bestellt werden, weil überbordende Bürokratie das Ausgeben der bereitgestellten Gelder verhindert. Hier braucht es den Mut, Vorschriften zu ändern. Es braucht Mut, bundesweit einheitliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um die digitale Transformation mit Leben zu füllen und die berufliche Bildung zukunftssicher aufzustellen – auch wenn es Geld und Zeit kostet. Eine funktionsfähige Bildungscloud, leistungsstarke und für kollaboriertes Lernen geeignete Softwarelösungen, umsetzbare e-didaktische Unterrichtskonzepte und entsprechende Fortbildungsangebote sind die elementare Basis für zukunftsweisenden Unterricht – auch, um den Anforderungen der Betriebe als dualer Ausbildungspartner gerecht zu werden“, sagt Maiß.

Mut braucht es auch, um die Lehrkräfte endlich zu entlasten, um den Frust abzubauen, der sich in dem chronisch unterversorgten System mit eklatantem Lehrkräftemangel aufgestaut hat, die Motivation jedes einzelnen wieder zu steigern und so einen Kollaps der beruflichen Bildung abzuwenden. „In Folge der freien Ausbildungskapazitäten an den Universitäten sinkt die Zahl der originär ausgebildeten Berufsschullehrkräfte signifikant und dies vor dem Hintergrund einer sich verstärkenden Pensionierungswelle. Auch wenn alte KMK-Absprachen dagegenstehen, braucht es den Mut, den Zugang für Quereinsteiger auszuweiten und die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Denn ohne zusätzliche Lehrkräfte werden wir weder Corona noch die Zeit danach bewältigen“, sagt Maiß.

Ihre Erfahrungen sind gefragt!

Ihre Erfahrungen sind gefragt!

Digitaler Unterricht: Erfahrungen • Herausforderungen • Perspektiven

um
• die berufliche Bildung weiterzuentwickeln
• die Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte zu verbessern.
Im Fokus stehen:
• der Einsatz von digitalen Medien in der Schule
• das häusliche Arbeitszimmer als Lehrerarbeitsplatz
• das Belastungserleben durch digitale Lehre
Machen Sie mit!

Alternativ: kurzelinks.de/befragung-bvlb

Liebe Lehrerinnen und Lehrer,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

der BVLB – Bundesverband der Lehrerkräfte für Berufsbildung e.V. führt in Kooperation mit den Universitäten Bamberg, Hannover und Osnabrück sowie mit der pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd eine wissenschaftliche Studie zu den Erfahrungen und Perspektiven digitalen Unterrichtens und Entwickelns an beruflichen Schulen durch.

Dazu möchten wir gerne auch Sie befragen. Mit Ihren freiwilligen und anonymen Auskünften unterstützen uns dabei, die berufliche Bildung und die Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte weiterzuentwickeln.

Themen dieses Fragebogens sind u. a. der Einsatz von digitalen Medien in der Schule, häusliches Arbeitszimmer als Lehrerarbeitsplatz und das Belastungserleben durch digitale Lehre.

Das Ausfüllen dauert ca. 15 Minuten.

Ihre Angaben werden selbstverständlich streng vertraulich behandelt, sämtliche Informationen werden nur in anonymisierter Form verarbeitet. Die Teilnahme an der Befragung ist freiwillig.

Wir danken Ihnen bereits jetzt für Ihre Unterstützung!

Ihr BvLB – Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung

Bürger Europas e.V. startet neue Homepage

Bürger Europas e.V. startet neue Homepage

Im Mittelpunkt  dieser neuen Webseite steht mit dem Europaquiz  „that´s eUrope“ ein europaweit einmaliges Online-Schulklassenduell rund um Europa und die EU. Ab November 2020 können sich Schulen  für informative und spannende Duelle gegen eine Klasse der eigenen Schule, einer  Partnerschule oder einen Zufallsgegner online auf der neuen Homepage anmelden. Das Quiz dauert 45 Minuten und ist ab Klassenstufe 9 geeignet.

Weitere Infos zu diesem vom Auswärtigen Amt gefördertem Europaprojekt,  erhalten Sie auf der neuen Homepage oder bei Bürger Europas e.V. unter info@buerger-europas.de /Tel.  030-247 249 03.

www.european-online-learning.de

Politik muss zwischen Schulformen differenzieren

Politik muss zwischen Schulformen differenzieren

BvLB: Klassen an beruflichen Schulen teilen und im Wechsel zwischen Präsenz- und Distanz unterrichten, weil es geht und das Infektionsrisiko reduziert.

Um die zweite Infektionswelle zu brechen, soll das gesellschaftliche Leben wieder runtergefahren werden. Der Lockdown light steht vor der Tür. Schulen sollen indes so lange wie es vertretbar ist, offengehalten werden. „Das grundlegende Übel ist, dass die Politik Schule über einen Kamm schert. Statt zwischen den einzelnen Schulformen zu differenzieren und entsprechende Bedarfe von Grundschülern bis hin zu Berufsschülern klar zu definieren, sind Schüler gleich Schüler. Schülerinnen und Schüler ab der Sekundarstufe II müssen anders als Schülerinnen und Schüler der Primar- und Sekundarstufe I nicht zwingend durchgängig Präsenzunterricht haben, sondern können dann, wenn die technischen Voraussetzungen gewährleistet sind, parallel oder im Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht lernen. Nimmt man diese Schülergruppen aus den Schulbussen und den Schulen, reduziert man die Personenzahl deutlich, minimiert das Infektionsrisiko und hat räumlichen Spielraum, um Klassen zu teilen“, sagt Eugen Straubinger, Vorsitzender des Bundesverbandes für Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB), und fordert von der Politik hier ein schnelles Umdenken.

Nicht erst seit der Wiedereröffnung der Schulen im Sommer, wo Abstandsregeln und Maskenpflicht ihre Gültigkeit verloren haben, irrlichtern die Kultusminister umher und setzen Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler Gefahren aus, die auf offener Straße mit Bußgeldern belegt werden – ganz so, als ob es das Virus in den Schulen nicht gäbe.

„Es ist gesellschaftlich nicht vermittelbar, dass Restaurants und Theater trotz schlüssiger und funktionierender Hygienekonzepte schließen müssen, während übervolle Bahnen und Busse zu den Stoßzeiten Millionen von Schülerinnen und Schülern transportieren. Abstandsregeln sind hier nicht einzuhalten. Die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, Schulklassen ab einem bestimmten Grenzwert zu teilen und die Maskenpflicht massiv auszuweiten, darf die Politik nicht länger in den Wind schlagen“, sagt Joachim Maiß, ebenfalls BvLB-Vorsitzender, und betont: „Für die ganz jungen Schülerinnen und Schüler in der Grundschule gilt es, so viel Präsenzunterricht wie möglich zu gewährleisten. Junge Kinder brauchen beim Lernen die Beziehung, um ein tragfähiges Fundament für ihr zukünftiges Lernen aufbauen zu können. Ab der Sek II ist ein Wechsel aus Präsenz- und Distanzunterricht kein Problem. Das haben die Berufsbildner schon während des ersten Lockdowns gezeigt.“

Joachim Maiß und Eugen Straubinger / BVLB

Textquelle: bvlb.de

—Bildquelle: Pixabay—