Berufliche Bildung braucht „Mutanfall“

Berufliche Bildung braucht „Mutanfall“

VLWN: Mit Bürokratieabbau und Pragmatismus Mängelliste in der Corona-Krise ausmerzen

Pressemitteilung
Hannover, 07.01.2021

Der Erkenntnisgewinn schafft Hoffnung: Schulen sind sehr wohl Infektionsherde – und werden es noch lange bleiben. Eine Tatsache, der sich jetzt auch die Kultusminister*innen bei der jüngsten KMK-Konferenz gestellt und das bisherige Mantra der „sicheren Schulen“ zum Neustart nach den Ferien gegen ein dreistufiges, inzidenzgekoppeltes Modell mit Wechsel- und Hybridunterricht getauscht haben. Präsenzunterricht um jeden Preis ist damit eine klare Absage erteilt worden. Die gestrige Entscheidung der Länderchef*innen, die Schulen flächendeckend bis zum 31. Januar geschlossen zu halten und den Präsenzunterricht auszusetzen, ist da nur konsequent.
„Das ist gut und richtig – auch wenn Präsenzunterricht höchste Priorität hat. Denn nur, wenn man Kontakte minimiert, Klassen halbiert, damit kleine Lerngruppen schafft, können auch in den beruflichen Schulen die AHA-Regeln eingehalten und das Infektionsgeschehen reduziert werden. Nur reicht das nicht“, sagt Joachim Maiß, Vorsitzender des Verbandes der Lehrerinnen und Lehrer der Wirtschaftsschulen in Niedersachsen (VLWN). Er fordert einen „Mutanfall“ der Politik auf allen Ebenen und betont: „Das Virus wird uns noch lange begleiten. Daher ist es notwendig, die differenzierten Modelle, die der Hybridunterricht bietet, nicht als Ausnahme abzunicken, sondern als Ergänzung zu verankern. Hybridunterricht erlaubt, den Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht wie mit einem Regler passgenau auf die jeweilige Situation feinzujustieren.“

Die Entscheidung von Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne, den Unterricht an den beruflichen Schulen bis Ende Januar grundsätzlich im Szenario C und damit in Distanz stattfinden zu lassen, begrüßt Maiß ausdrücklich. Und auch den eingeräumten Entscheidungsspielraum, kleine Lerngruppen, die im laufenden Schuljahr Abschlussprüfungen ablegen, bei Bedarf im Wechselunterricht zu beschulen, hält Maiß für eine weitsichtige Entscheidung, die perspektivisch Planungssicherheit bietet „Wenn ich von Mutanfall spreche, schließt das alle Bildungs-Beteiligten mit ein – auch die Schulleiter*innen, die diesen Freiraum nutzen sollten und auch die Abschlussklassen ausnahmslos in Distanz unterrichten, um das Infektionsrisiko zu minimieren.“ Keine Klassenarbeit sei so wichtig, als dass man dafür den Gesundheitsschutz aufs Spiel setzen müsse.

„Um den Gesundheitsschutz zu erhöhen, müssen Klassenräume mit Luftreinigern und Plexiglasscheiben zwischen jedem Sitzplatz ausgestattet werden. Digitale Endgeräte müssen angeschafft und mehr Lehrkräfte eingestellt werden. Statt bloßer Ankündigungen brauchen wir dafür einen Mutanfall, um schnell, unkonventionell und unbürokratisch mit Hands-on-Mentalität diese Mängelliste abzuarbeiten. Und wir brauchen langfristig, tragfähige Strategien, um Bildungsgerechtigkeit und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler nach bestmöglicher Ausbildung gewährleisten zu können. Denn nur so kommt die berufliche Bildung durch die Corona-Krise“, sagt Maiß.

Die Mängelliste, um die Schulen technisch in die Lage zu versetzen, die Distanzphasen auf Präsenzniveau zu heben, ist lang: „Die versprochenen Endgeräte für Lehrkräfte können nicht bestellt werden, weil überbordende Bürokratie das Ausgeben der bereitgestellten Gelder verhindert. Hier braucht es den Mut, Vorschriften zu ändern. Es braucht Mut, bundesweit einheitliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um die digitale Transformation mit Leben zu füllen und die berufliche Bildung zukunftssicher aufzustellen – auch wenn es Geld und Zeit kostet. Eine funktionsfähige Bildungscloud, leistungsstarke und für kollaboriertes Lernen geeignete Softwarelösungen, umsetzbare e-didaktische Unterrichtskonzepte und entsprechende Fortbildungsangebote sind die elementare Basis für zukunftsweisenden Unterricht – auch, um den Anforderungen der Betriebe als dualer Ausbildungspartner gerecht zu werden“, sagt Maiß.

Mut braucht es auch, um die Lehrkräfte endlich zu entlasten, um den Frust abzubauen, der sich in dem chronisch unterversorgten System mit eklatantem Lehrkräftemangel aufgestaut hat, die Motivation jedes einzelnen wieder zu steigern und so einen Kollaps der beruflichen Bildung abzuwenden. „In Folge der freien Ausbildungskapazitäten an den Universitäten sinkt die Zahl der originär ausgebildeten Berufsschullehrkräfte signifikant und dies vor dem Hintergrund einer sich verstärkenden Pensionierungswelle. Auch wenn alte KMK-Absprachen dagegenstehen, braucht es den Mut, den Zugang für Quereinsteiger auszuweiten und die Rahmenbedingungen dafür zu schaffen. Denn ohne zusätzliche Lehrkräfte werden wir weder Corona noch die Zeit danach bewältigen“, sagt Maiß.

Ihre Erfahrungen sind gefragt!

Ihre Erfahrungen sind gefragt!

Digitaler Unterricht: Erfahrungen • Herausforderungen • Perspektiven

um
• die berufliche Bildung weiterzuentwickeln
• die Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte zu verbessern.
Im Fokus stehen:
• der Einsatz von digitalen Medien in der Schule
• das häusliche Arbeitszimmer als Lehrerarbeitsplatz
• das Belastungserleben durch digitale Lehre
Machen Sie mit!

Alternativ: kurzelinks.de/befragung-bvlb

Liebe Lehrerinnen und Lehrer,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

der BVLB – Bundesverband der Lehrerkräfte für Berufsbildung e.V. führt in Kooperation mit den Universitäten Bamberg, Hannover und Osnabrück sowie mit der pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd eine wissenschaftliche Studie zu den Erfahrungen und Perspektiven digitalen Unterrichtens und Entwickelns an beruflichen Schulen durch.

Dazu möchten wir gerne auch Sie befragen. Mit Ihren freiwilligen und anonymen Auskünften unterstützen uns dabei, die berufliche Bildung und die Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte weiterzuentwickeln.

Themen dieses Fragebogens sind u. a. der Einsatz von digitalen Medien in der Schule, häusliches Arbeitszimmer als Lehrerarbeitsplatz und das Belastungserleben durch digitale Lehre.

Das Ausfüllen dauert ca. 15 Minuten.

Ihre Angaben werden selbstverständlich streng vertraulich behandelt, sämtliche Informationen werden nur in anonymisierter Form verarbeitet. Die Teilnahme an der Befragung ist freiwillig.

Wir danken Ihnen bereits jetzt für Ihre Unterstützung!

Ihr BvLB – Bundesverband der Lehrkräfte für Berufsbildung

Bürger Europas e.V. startet neue Homepage

Bürger Europas e.V. startet neue Homepage

Im Mittelpunkt  dieser neuen Webseite steht mit dem Europaquiz  „that´s eUrope“ ein europaweit einmaliges Online-Schulklassenduell rund um Europa und die EU. Ab November 2020 können sich Schulen  für informative und spannende Duelle gegen eine Klasse der eigenen Schule, einer  Partnerschule oder einen Zufallsgegner online auf der neuen Homepage anmelden. Das Quiz dauert 45 Minuten und ist ab Klassenstufe 9 geeignet.

Weitere Infos zu diesem vom Auswärtigen Amt gefördertem Europaprojekt,  erhalten Sie auf der neuen Homepage oder bei Bürger Europas e.V. unter info@buerger-europas.de /Tel.  030-247 249 03.

www.european-online-learning.de

Politik muss zwischen Schulformen differenzieren

Politik muss zwischen Schulformen differenzieren

BvLB: Klassen an beruflichen Schulen teilen und im Wechsel zwischen Präsenz- und Distanz unterrichten, weil es geht und das Infektionsrisiko reduziert.

Um die zweite Infektionswelle zu brechen, soll das gesellschaftliche Leben wieder runtergefahren werden. Der Lockdown light steht vor der Tür. Schulen sollen indes so lange wie es vertretbar ist, offengehalten werden. „Das grundlegende Übel ist, dass die Politik Schule über einen Kamm schert. Statt zwischen den einzelnen Schulformen zu differenzieren und entsprechende Bedarfe von Grundschülern bis hin zu Berufsschülern klar zu definieren, sind Schüler gleich Schüler. Schülerinnen und Schüler ab der Sekundarstufe II müssen anders als Schülerinnen und Schüler der Primar- und Sekundarstufe I nicht zwingend durchgängig Präsenzunterricht haben, sondern können dann, wenn die technischen Voraussetzungen gewährleistet sind, parallel oder im Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht lernen. Nimmt man diese Schülergruppen aus den Schulbussen und den Schulen, reduziert man die Personenzahl deutlich, minimiert das Infektionsrisiko und hat räumlichen Spielraum, um Klassen zu teilen“, sagt Eugen Straubinger, Vorsitzender des Bundesverbandes für Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB), und fordert von der Politik hier ein schnelles Umdenken.

Nicht erst seit der Wiedereröffnung der Schulen im Sommer, wo Abstandsregeln und Maskenpflicht ihre Gültigkeit verloren haben, irrlichtern die Kultusminister umher und setzen Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler Gefahren aus, die auf offener Straße mit Bußgeldern belegt werden – ganz so, als ob es das Virus in den Schulen nicht gäbe.

„Es ist gesellschaftlich nicht vermittelbar, dass Restaurants und Theater trotz schlüssiger und funktionierender Hygienekonzepte schließen müssen, während übervolle Bahnen und Busse zu den Stoßzeiten Millionen von Schülerinnen und Schülern transportieren. Abstandsregeln sind hier nicht einzuhalten. Die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, Schulklassen ab einem bestimmten Grenzwert zu teilen und die Maskenpflicht massiv auszuweiten, darf die Politik nicht länger in den Wind schlagen“, sagt Joachim Maiß, ebenfalls BvLB-Vorsitzender, und betont: „Für die ganz jungen Schülerinnen und Schüler in der Grundschule gilt es, so viel Präsenzunterricht wie möglich zu gewährleisten. Junge Kinder brauchen beim Lernen die Beziehung, um ein tragfähiges Fundament für ihr zukünftiges Lernen aufbauen zu können. Ab der Sek II ist ein Wechsel aus Präsenz- und Distanzunterricht kein Problem. Das haben die Berufsbildner schon während des ersten Lockdowns gezeigt.“

Joachim Maiß und Eugen Straubinger / BVLB

Textquelle: bvlb.de

—Bildquelle: Pixabay—

Bildungspolitik von der zweiten Welle eiskalt erwischt!

Bildungspolitik von der zweiten Welle eiskalt erwischt!

Deutscher Lehrerverband wendet sich mit dringlichen Forderungen und Lösungsvorschlägen an die Politik

„Wenn jetzt nicht gehandelt wird, drohen flächendeckende Schulschließungen!“

Die im Deutschen Lehrerverband (DL) organisierten Verbände DPhV, VDR, BvLB und KEG schlagen Alarm und fordern die Politik in einer konzertierten Aktion auf, den Gesundheitsschutz für Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler in der Corona-Krise deutlich zu erhöhen. Die Pandemiesituation wird sich nicht in kurzer Zeit bewältigen lassen, daher braucht es langfristige Lösungen und verlässliche
Handlungsrichtlinien, um das Infektionsrisiko an den Schulen so gering wie möglich zu halten, die dort stattfindenden Kontakte zu beschränken und Abstände zu wahren.
Im bisherigen Betrieb seit der Wiedereröffnung der Schulen, oft ohne Abstandsregeln und Maskenpflicht, setzen die Kultusminister Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler Gefahren aus, die auf offener Straße mit Bußgeldern belegt werden – ganz so, als ob es das Virus in den Schulen nicht gäbe. „Wir sagen: Schulen offen halten: Ja – angepasst an das aktuelle Infektionsgeschehen.
Aber Schulen im Vollbetrieb um jeden Preis: Nein! Jetzt braucht es verantwortungsvolles Handeln, weitere Infektionsschutzmaßnahmen und Handlungsrichtlinien bei steigenden Infektionszahlen, sonst
drohen in der Konsequenz wieder flächendeckende Schulschließungen“, betont DL-Präsident Heinz Peter Meidinger.

Lüften ist gut, Lüftungsanlagen sind besser

Die Kultusministerkonferenz KMK will mit der Zahlenkombination 20 – 5 – 20 über den Winter kommen und den vollen Präsenzunterricht gewährleisten, und das trotz rasant steigender
Infektionszahlen: 20 Minuten Unterricht, 5 Minuten Quer- und Stoßlüften, um dann erneut 20 Minuten zu unterrichten. Die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, Schulklassen ab einem bestimmten
Infektionsgeschehen wieder zu teilen, schlägt die Politik ebenso in den Wind wie die Erkenntnisse des Umweltbundesamtes, wonach Lüften ohne zusätzlichen Raumluftfilter in vielen Gebäuden nicht ausreicht. Lüftungsanlagen sind daher an vielen Schulen zwingende Notwendigkeit. Die Installation der Raumluftreiniger hätte zudem den positiven Effekt, dass auch Grippeviren minimiert werden und zusätzliche Krankheitsausfälle vermieden würden. Auch der Einsatz von Plexiglaswänden zwischen den Tischen trägt zum Schutz bei. Es braucht eine schnelle Bestandsaufnahme nach einheitlichen Parametern in allen Bundesländern, um festzustellen, welche Räume bereits durch bestehende Systeme gut gelüftet werden und wie viele Räume eine Unterstützung durch Luftfilteranlagen brauchen. Mehrere Bundesländer haben bereits Programme zur Beschaffung entsprechender Geräte aufgelegt, der Deutsche Lehrerverband fordert die übrigen Länder und die KMK auf, vor dieser Investition in die Gesundheit der Schülerinnen und Schülern und der Lehrkräfte nicht zurückzuschrecken.

Der kritische Grenzwert von Corona-Neuinfektionen wird in immer mehr Städten und Kommunen überschritten. In diesen Hotspots fordert der Deutsche Lehrerverband, die Klassen unverzüglich zu halbieren. „Es empört uns, dass die beschlossenen und vom RKI empfohlenen Richtwerte einer Inzidenzzahl von 35/50 der Corona-Ampel für verschärfte Hygieneschutzmaßnahmen an Schulen von der Bildungspolitik komplett ignoriert werden, um Schulen unter inakzeptablen Bedingungen offen zu halten“, so Heinz Peter Meidinger. „Die KMK hat bei ihrer letzten Sitzung mit ihrer Entscheidung, dass Quer- und Stoßlüften bei Minusgraden ausreichend sei, eine rote Linie überschritten und sich damit aus der Verantwortung gegenüber dem Gesundheitsschutz der Schülerinnen und Schüler gestohlen. Es braucht Richtlinien und klare Handlungsanweisungen, ab welchen Inzidenzzahlen eine Maskenpflicht für welche Klassenstufen gilt und ab wann es notwendig ist, die Klassen wieder zu teilen.“

AHA-Regeln müssen auch in Schulen gelten

„Die Kultusministerkonferenz muss eine ganz klare Orientierung für den Schulbetrieb in ihrem KMKVier-Stufen-Modell nach den Vorgaben des RKI geben, anhand derer dann tatsächlich vor Ort entschieden wird“, so die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing. „Hier gilt als Maßstab für die Stufe 2 der Inzidenzwert von 35 Fällen binnen 7 Tagen auf 100.000 Einwohner innerhalb einer kreisfreien Stadt oder innerhalb eines Landkreises, für die Stufe 3 der Inzidenzwert von 50, bei dem in den Schulen wieder die AHA-Regeln eingehalten werden sollten,
was auf kleinere Klassen hinausläuft. Es ist die Aufgabe der Politik dafür zu sorgen, dass diese Regeln eingehalten werden und die Gesundheitsämter hier entsprechend einheitlich, nachvollziehbar
und verlässlich agieren.“

Differenzieren nach Schülergruppen – Präsenz- und Online-Unterricht angepasst an das
Infektionsgeschehen in verkleinerten Lerngruppen

Das grundlegende Übel ist, dass die Politik Schule über einen Kamm schert. Statt zwischen den einzelnen Schulformen zu differenzieren und entsprechende Bedarfe von Grundschülern bis hin zu
Berufsschülern klar zu definieren, sind Schüler gleich Schüler.

Schülerinnen und Schüler ab der Sekundarstufe II müssen anders als Schülerinnen und Schüler der Primar- und Sekundarstufe I nicht zwingend durchgängig Präsenzunterricht haben, sondern können dann, wenn die technischen Voraussetzungen gewährleistet sind, parallel oder im Wechsel zwischen Präsenz- und Distanzunterricht lernen. Dies sollte vor Ort entschieden werden – orientiert an den Inzidenzwerten gemäß RKI.

„Für unsere ganz jungen Schülerinnen und Schüler in der Grundschule gilt es, so viel Präsenzunterricht zu ermöglichen. Junge Kinder brauchen beim Lernen die Beziehung, um ein tragfähiges Fundament für ihr zukünftiges Lernen aufbauen zu können“, betont Gerlinde Kohl, die Vorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft (KEG).

Mut zu unkonventionellen Lösungen

Joachim Maiß, Vorsitzender des Bundesverbandes für Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB) weist auf unkonventionelle Wege hin, um flächendeckende Schulschließungen zu verhindern: „Statt
mantrahaft alles schön zu reden, müssen gemeinsam schnell umsetzbare Lösungen herbeigeführt  werden: So könnten beispielsweise leerstehende Veranstaltungs-Locations oder Stadtteilzentren
als zusätzliche Unterrichtsräume angemietet werden, um Schulklassen zu teilen und so das Gesundheitsrisiko für Lehrkräfte wie Schülerinnen und Schüler zu minimieren. Denn die
Unversehrtheit aller hat oberste Priorität, um nicht sehenden Auges in die erneute Schulschließungen mit all ihren gesellschaftlichen Folgen zu rutschen.“

Eugen Straubinger ebenfalls Vorsitzender des Bundesverbandes der Lehrkräfte für Berufsbildung, fordert, dass die Absage der KMK zum Einbau von Lüftungsanlagen gekippt wird und macht folgende Rechnung auf: „NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer schätzt, dass flächendeckend rund 100 Euro pro Schüler in die Filtertechnik investiert werden müssten – und spricht von
Unsummen, die das verschlingen würde. Legt man diese Zahl zu Grunde, müssten bei bundesweit 11 Millionen Schülerinnen und Schüler 1,1 Milliarden Euro investiert werden, um alle rund 43 000 Schulen mit dieser Technik auszustatten. Das sind im Vergleich zu den neun Milliarden Euro, die die Rettung der Lufthansa bisher gekostet hat, Peanuts. Das sollte es den Regierenden wert sein, um das Recht auf Bildung in der Coronakrise nicht zu verspielen.“ Er ergänzt: „Dazu kommt, dass in den Berufsschulen auch Lüftungstechniker und Anlagenbauer ausgebildet werden. Wenn unsere Schulen Lüftungsanlagen aus heimischer Produktion beziehen könnten, hätte dies einen deutlichen Einkommens- und Beschäftigungseffekt für diese Produktionssparte. Dies käme auch den
Auszubildenden im dualen System zugute.“

Vergesst die Lehrkräfte nicht!

Durch die vorgeschlagenen Maßnahmen ändert sich das Anforderungsprofil an die Lehrkräfte und die Belastungen steigen deutlich. Distanzunterricht für Zuhause bleibende Schüler ist Mehrarbeit.
Bei allen Maßnahmen müssen die Auswirkungen auf und die Anforderungen an die Lehrkräfte berücksichtigt werden, denn es ändert sich Umfang, Art und Inhalt der Lehrtätigkeit. Neben
Investitionen in die notwendige technische Ausstattung der Schulen, Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte, deren Fehlen bei den Schulschließungen im Frühjahr schmerzhaft deutlich wurde,
braucht es auch weiterhin Unterstützung der Lehrkräfte in der Fortbildung für neue digitale Formate und vor allem auch technisches Personal zur Betreuung des IT-Bereiches.
Aber auch, da ist sich das Präsidium des DL einig, beim Gesundheitsschutz der Lehrkräfte bei ihrer Tätigkeit in den Schulen muss nachgebessert werden. Es sei eigentlich ein Skandal, dass anders als in vielen anderen Berufssparten, die mit vielen Kontakten zu tun haben, Lehrkräfte nicht von den Schulträgern und Länderministerien mit einer ausreichenden Zahl an FFP2-Masken ausgestattet wurden.

Politik muss Verantwortung übernehmen

Auch Jürgen Böhm, Bundesvorsitzender des Deutschen Realschullehrerverbandes (VDR), fordert klare Handlungsrichtlinien für die Schulen bei entsprechenden Infektionszahlen: „Je nachdem, wie
gut die gesamtgesellschaftlichen Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung greifen und wie sich daraufhin jeweils regional das Infektionsgeschehen entwickelt, braucht es klare Vorgaben bei bestimmten Richtwerten, damit nicht nach jeder Veränderung der Zahlen nach oben oder nach unten die Debatte um die richtigen Gesundheitsschutzmaßnahmen an den Schulen von neuem geführt
werden muss. Es müssen Maßnahmen gelten, die an den Schulen in ganz Deutschland Bildung unter höchsten Sicherheitsbedingungen ermöglichen. Dazu gehören Stufenpläne und beste technische und materielle Ausstattung, wie CO2-Ampeln, Luftreinigungsfilter und FFP2-Masken, und bei steigenden Infektionszahlen Klassenteilungen und Zeiträume von Distanzunterricht, die für Eltern
möglichst organisierbar und überschaubar bleiben. Allerdings kann es nicht Aufgabe der Schulen sein, entsprechende Maßnahmen festzulegen. Wir Lehrkräfte und Schulleitungen sind keine Ärzte oder Virologen! Die Verantwortung darf nicht länger auf die Kollegen geschoben, sondern muss endlich von der KMK und den Bundesländern als den politisch Verantwortlichen übernommen
werden. Aber genau das passiert aktuell seitens der Politik nicht!“
—————-
Für Stellungnahmen erreichen Sie die Mitglieder des Präsidiums des Deutschen
Lehrerverbandes:
DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger: 0160 – 52 75 609 und 030/70 09 47 76 –
www.lehrerverband.de
Bundesgeschäftsstelle DPhV, Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing:
030 / 40 81 67 89 – www.dphv.de
Bundesgeschäftsstelle VDR, Bundesvorsitzender Jürgen Böhm:
089 / 55 38 76 und 0151 – 11 71 55 89 – www.vdr-bund.de
BvLB-Bundesgeschäftsstellen, Bundesvorsitzende Joachim Maiß und Eugen Straubinger:
030 / 40 81 66 50 und 0511 / 21 55 60 70 – www.bvlb.de
KEG-Bundesgeschäftsstelle, Bundesvorsitzende Gerlinde Kohl:
089 / 26 02 47 99 – www.keg-deutschland.de
Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle Deutscher Lehrerverband – Anne Schirrmacher

—–Bildquelle: Pixabay—-